Was soll ich schreiben? Die letzte Woche in meinem Buenos Aires querido..
Ich habe die Zeit hauptsächlich genutzt, noch mal die Stadt zu genießen.
Entspannt durch die Straßen zu schlendern, Fotos zu machen, etc. Vor allem La
Boca war noch mal sehr nett. Die ganzen bunten Häuschen ohne die Touribusse vom
Wochenende sind soviel entspannter. Bis jetzt kann ich auch immer noch nicht
sagen, welches der Unmengen an Cafés mein Lieblingscafé ist, dafür sind es
einfach zu viele. Aber selbst berühmte Personen wie Gardel oder Borges hatten
mehr als eins.. :-) Was mich
allerdings immer wieder aufregt ist, dass
wen man in einem Café oder Restaurant sitzt, das nicht heißt, dass man
auch schnell bedient wird. Oft stehen 5 Angestellte rum und unterhalten sich
während mindestens 3 Gäste auf die Karte warten geschweige denn bestellen
möchten. Das erinnert mich dann doch immer wieder an die staatlichen
Restaurants auf Cuba oder die DDR. Auch dass die Preise schon wieder gestiegen
sind, ist eher negativ. Der Milchpreis z. B. ist im letzten Monat 2 x um 1
Peso gestiegen. 1 Liter Milch kostet jetzt umgerechnet bis zu 1,30 €. Aber wir
haben ja keine Inflation… Was gibt es noch Neues aus Christinalanld. Ach ja,
ich hatte ja mal geschrieben, dass meine Vermieter in Deutschland waren/sind.
Sie ist 2 Tage früher geflogen und er wollte dann mit den 2 Töchtern
nachkommen. Wollte…! Man hat ihn nicht ausreisen lassen, da es wohl ein Gesetz
in Argentinien gibt, dass miderjährige Kinder immer nur mit beiden Elternteilen
das Land verlassen dürfen bzw. mit einem Teil und einer notariell beglaubigten,
original Erlaubnis des anderen Teils. Das andere Teil war aber schon in
Deutschland. Also musste er nach 6 Std. Verhandeln am Flughafen mit den
weinenden Töchtern wieder nach Hause und sie hat in Deutschland rotiert:
Erlaubnis schreiben, Notar, neue Geburtsurkunde der Mädels besorgen um sich
und diese ausweisen zu können, argentinische Botschaft… und dann sollte es nicht
zählen, da es keine Apostille hatte. Das war wohl der Punkt an dem Miriam, die
normalerweise die Ruhe in Person ist, ausgerastet ist. Irgendwie hat das dann
wohl auch gewirkt. Auf jeden Fall konnten die drei am nächsten Tag fliegen. Wer
denkt sich bitte ein solches Gesetzt in einem Land aus, in dem es nur so von
allein erziehenden Müttern wimmelt???
Des Weiteren habe ich schon mal meine Sachen sortiert. Die Hälfte davon
Business Klamotten die ungenutzt und unausgepackt sowieso noch im großen Koffer
sind. Die Freizeitklamotten zur Hälfte entsorgt und einen Teil davon wie immer
an eine gemeinnützige Organisation gespendet. Platz für die Souvenirs…
Donnerstag habe ich dann angefangen mich zu verabschieden. Eigentlich schon
Mittwoch beim Internations Treffen und ab da dann jeden Abend mit anderen
Leuten. Donnerstag habe ich dann nur gemerkt, dass ich immer noch viel zu
deutsch bin (genetisch versaut :-) ) 5 Minuten vor der vereinbarten Zeit
war ich am Treffpunkt, obwohl ich genau wusste, dass meine
kolumbianische Freundin NIE pünktlich kommt. Dieses Mal hat sie sich allerdings
selbst übertroffen: 50 min zu spät :-)
Nach einem letzten, enttäuschend kurzen Abschiedsabend am Samstag (nur bis
2:30 Uhr..), zeigte sich Buenos Aires an meinem letzten Tag noch einmal von
seiner schönsten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehm warmen 20
Grad gab ich mir noch mal die ganze Palette (vielleicht doch gut, dass es nicht
sooo lange war am Abend vorher). Erst mal eine große Runde Spazieren durch das Reserva Ecologica, wo ich mir Mühe gab,
keine persönliche Variante von „Am Ufer des Rio Plata saß ich und weinte
bitterlich“ zu geben. Dann noch ein letztes Mal San Telmo mit seinem
fantastischen Sonntagsmarkt, zwischendurch eine Kaffeepause mit Cafe con leche
und Alfajor, dann weiter nach Recoleta zum Plaza Francia und dem berühmten
Friedhof. Auf der Plaza war wie jedes WE ein großer Handwerkermarkt und auf den
Wiesen drum herum saßen die Leute auf Decken mit ihrem Mate Tee, mehrere Bands
spielten und über allem lag eine Wolke von Hasch. Herrlich, wie werde ich das
vermissen. Aber nicht nur diese entspannten Sonntage im Freien werde ich
vermissen, sondern sehr viel mehr, wie z. B.
- Die Stadt an sich mit ihrer tollen Architektur und dem einzigartigen Flair
- Das kulturelle Angebot
- Den Rotwein
- Die Freunde, die ich hier gewonnen habe
- Dass alle (ja, auch die Männer) tanzen bis morgens um 6
- Die Piropos (das sind die Komplimente, die man an einem guten Tag alle paar Straßenecken zugerufen bekommt und die einen am Anfang so stören. Man gewöhnt sich dran :-D )
Definitiv NICHT vermissen werde ich:
- Schlechtes Essen
- Schlange stehen
- Streiks
- Volle, schwitzige Subte (U-Bahn) im Sommer
- Räume ohne Heizung
- Nur 2 Sorten Joghurt (Vanille und Erdbeere)
- Preiserhöhungen von 200%
- Ständig verstopfte Toiletten
- Männer, die einem ungefragt die Zunge in den Hals stecken wollen, ohne sich wenigstens mal vorzustellen
Aber es gibt auch Dinge, auf die ich mich freue:
- Freunde
- Gutes Essen (wiederhole ich mich :-D )
- Neue Schuhe OHNE Leder (Leder und Gelatine sind hier 2 Dinge die einfach überall drin oder dran sind. Irgendwo müssen die halt mit den restlichen Teilen der ganzen Rinder hin…)
Als ich dann irgendwann zu müde zum Weiterlaufen war und mir spontan nichts mehr
einfiel, musste ich wohl oder übel der Realität ins Auge schauen und meinen
Koffer packen. Fragt nicht, in welchem Zustand.
Tja, so schnell sind 8 Monate vorbei. Ich kann es immer noch nicht glauben,
dass ich, wenn ich das hier veröffentliche wahrscheinlich schon wieder in
Deutschland bin. Leider ist es weder Tango noch Tequila geworden, sondern wohl
doch wieder Bier und Bratwurst (nicht, dass ich die jetzt essen würde, das war
nur für die Alliteration ;-) )
In meinem Zimmer gab es eine kleine Skulptur, die meine derzeitige
Verfassung sehr gut zusammenfasst und deren Sinn ich erst jetzt richtig
verstehe. (Eine Figur die mit 2 großen Koffern und hängenden Schulter vom Obelisco weggeht):