Dienstag, 24. Juli 2012


Hallo Ihr Lieben,
was habe ich also letzte Woche so getrieben. Ich war im Kunstmuseum der dieses Jahr verstorbenen Milliardärin Amalia Lacroze de Fortabat. Super tolles Gebäude in Puerto Madero, alles vom Feinsten und auch der ein oder andere Monet in der Ausstellung. Leider ist es auch eines der teuersten Museen der Stadt. Die meisten anderen sind nämlich umsonst. Da hätte ja ruhig ein wenig von den Milliarden in die Reduzierung der Eintrittspreise fließen können.
Ansonsten war ich endlich im Teatro Colon, einer der Hauptattraktionen der Stadt. Das imposante Gebäude ist Veranstaltungsort für alle wichtigen Theaterstücke, aber vor allem Konzerte und Opern. Während der Führung konnten wir sogar kurz an einer Aufnahme-Prüfung für Opernsänger teilhaben, die gerade stattfand. Ich war beeindruckt wozu die menschliche Stimme fähig ist. Man hörte die Sänger im ganzen Gebäude ohne jeglichen Verstärker. Und das war nicht im Aufführungsaal, der sowieso noch über eine besonders gute Akustik verfügt. 






Dienstag hab ich dann so richtig den Touri gemacht und eine Stadtrundfahrt in einem der allgegenwärtigen doppelstöckigen Busse angetreten. Natürlich habe ich mich nach oben ins Freie gesetzt, um alles gut zu sehen und Fotos machen u können. 3,5 Stunden hab ich bitter gefroren, was sicher nicht das Cleverste war bei einer bereits vorhandenen Erkältung. Ich habe zwar ein paar interessante Infos erhalten, die ich noch nicht wusste, aber insgesamt war es eine Erfahrung, die nicht zwingend notwendig ist, da ich das meiste eh schon kannte.
Des Weiteren war ich noch im Museo del Tango und im Museo Carlos Gardel (dem berühmtesten Tango Sänger, der relativ jung bei einem Flugzeugunfall in Medellin verstorben ist). Hier kam dann doch ein wenig Wehmut und Bedauern auf, dass ich dem Tango vielleicht doch eine 2. Chance hätte geben sollen….?? 







Als ich aus dem Museo del Tango zielstrebig das Café Tortoni (das älteste Café von Buenos Aires) ansteuerte, wurde ich schnell (wie jedes Mal) von der riesigen Schlange davor gestoppt. Auch wenn ich hier schon richtig gut Schlange stehen gelernt habe, sträubt sich in mir immer noch alles dagegen, anstehen zu müssen, um mich in ein Café setzen zu können, auch wenn es noch so nett sein soll. Rein sehen konnte ich auch noch nicht, die haben nen Türsteher…. 


Also begab ich mich stattdessen zu einem anderen traditionellen Café im Viertel Abasto „Las Violetas“. Wahrscheinlich ähnlich wie das Tortoni. Ein schönes altes Café mit Glas Mosaikdach und –fenstern im Belle Epoque Stil, einer langen dunklen Bar, einer großen Auswahl an Torten, die einem die weiß befrackten Ober bringen. Ist schon ein wenig wie in einer anderen Zeit. Hier gönnte ich mir ein Stück „Lemon Pie“ (ja, das heißt hier tatsächlich so, man darf es nur nicht englisch aussprechen, sonst verstehen sie einen nicht). Die Stücke hier sind allerdings immer ziemlich groß, da sie wahrscheinlich für 2 ausgelegt sind. Da, wie der geneigte Leser ja bereits weiß, Argentinierinnen nicht essen, teilen sie sich ein Stück meist mit einer Freundin oder dem Mann. Aber ich bin ja keine Argentinierin… :-) Ich kann mit Stolz berichten, auch als Einzelperson ist es zu bewältigen…. Auch wenn mir danach erst mal gehörig schlecht war und mein Ruf in Abasto erst mal ruiniert war … :-) Danach reizte es mich auch gar nicht mehr, den einzigen koscheren McDonalds außerhalb Israels im Abasto Shopping Center auszuprobieren.



Auch den Geist von Carlos Gardel, der angeblich regelmäßig besagtes Einkaufzentrum in seinem alten Heimatviertel heimsucht, bin ich nicht begegnet.
Dafür suchte mich etwas anderes heim. Mitten auf der Straße traf mich plötzlich wie ein Schlag die Erkenntnis, dass ich nicht mehr lange hier sein werde… Das hat mich dann doch ganz schön runter gezogen. War bisher noch nicht so deutlich angekommen. :-(
Am WE machte ich mich dann mit einem deutschen Bekannten auf den Weg eine – oder vielleicht besser, die einzige – Whiskey Hochburg in Buenos Aires zu entdecken. Anfangs war ich etwas skeptisch, da ich ja nicht die geringste Ahnung von dem Trank habe, aber ich verließ mich da mal auf meinen Bekannten, der unbedingt dorthin wollte. Also fuhren wir in ein Viertel etwas außerhalb, wo ich noch nie war und inmitten eines Wohnviertels fanden wir dann auch die Bar. Die Auswahl war gigantisch. Über 200 Sorten aus der ganzen Welt. Damit war ich natürlich völlig überfordert. Die meisten Namen konnte ich nicht mal aussprechen. Zum Glück enttäuschte mich mein Bekannter nicht und stellte sich als echter Kenner heraus. Nach kurzer Rücksprache suchte er für mich 2 perfekte Whiskeys aus, die mich fast dazu verleiten könnten, es öfter zu probieren. 




Anschließend nahmen wir noch einen Absacker in der Bar des Faena Hotels in Puerto Madero. Nicht, dass ich mir so was normalerweise leisten könnte, aber er wollte seinen Wagen abstellen und wohnt gegenüber. Da bot es sich an. Das Hotel Faena ist das Hotel, in dem in Buenos Aires die Reichen und Schönen absteigen und so sahen auch die Bar und die anwesenden Gäste aus. Da hab ich erst mal große Augen gemacht. Selbst in der Toilette. Die Papierhandtücher waren so dick, dass man fast glauben konnte, sie wären aus Stoff. Aufgrund der ebenfalls anwesenden Damen im Bad habe ich darauf verzichtet, ein paar davon für schlechte Zeiten einzupacken  :-D  Nach so einem dekadenten Abend gönnte ich mir ausnahmsweise ein Taxi nach Hause, da ich nicht die ganze Strecke bei der Kälte laufen wollte und nicht wusste, welche Busse fuhren.
Während der Woche war ich abends mehrfach in einem Kino, in dem es gerade das Madrid Cine Festival gibt. Jede Menge prämierter spanischer Filme. Teilweise sehr gute, wenn für mich manchmal auch mal wieder schwer zu verstehende Filme – allesamt ohne Happy End. Jedenfalls die, die ich gesehen habe. Da soll man mal keine Depressionen bekommen. ..
Samstag war ich mit einer US amerikanischen Bekannten und ihrem Freund auf einer Agrarmesse. Was tut man nicht alles, um sich zu bespaßen... War auch tatsächlich sehr lustig. Salami, Käse, Rinder, Schafe, Pferde, Katzen, Gauchos, Wein, Allrad-Wagen, Mähdrescher, etc. das volle Programm.  Und scheinbar der totale Publikumsrenner, denn es war super voll. Erstaunlich, dass in einer 14 Millionen Stadt so etwas auf so großes Interesse stößt. Aber selbst der arrogante Porteño ist irgendwo stolz auf seine „Gaucho-Herkunft“. 





Am Montag wurde es dann „maritim“ mit einem Besuch im Hafen und dem Museums Boot „Corbeta Uruguay“, dem ersten Metallschiff der argentinischen Marine, das mehrfach zur Suche von verschollenen Expeditionen in die Antarktis geschickt wurde (auch erfolgreich :-)). 








Mal sehen, womit ich mir dann nun noch die letzte Zeit vertreibe. Habe bereits bei meinen Bekannten hier einen Termin für einen gemeinsamen Abschiedstrunk angefragt, was mir viel Spott der Beteiligten eingebracht hat, da es so „un-argentinisch“ ist, so weit im voraus zu planen. Pah, ich muss mich ja bald wieder an deutsche Sitten gewöhnen.
Bis zum nächsten Mal
Britta

Montag, 16. Juli 2012


Wieder zurück in Buenos Aires ging es sofort weiter mit der Jobjagd. Am selben Tag als ich morgens früh aus San Jorge in Buenos Aires ankam, durfte ich mittags sofort zum 2. Vorstellungsgespräch bei der Firma, die mich damals schon in Iguazu angerufen hatte. Und danach war dann erst mal wieder Warten angesagt. Die Wartezeit vertrieb ich mir damit, möglichst viele Leute zu treffen, die verbliebenen Sightseeing  Punkte abzuklappern und mich durch jede Menge Cafés und Restaurants zu fressen. Es gibt Schlimmeres :-) , aber es war schon komisch, nicht zu wissen, was man im nächsten Monat macht…. Das Problem ist halt, dass die Firmen immer entweder wegen meines Spanischs Bedenken haben, oder dass ich nicht wirklich lange genug bleiben werde. Und ich bin immer zu dumm oder zu stur, einen imaginären Freund zu erfinden… Vielleicht bin ich für dieses Land einfach zu ehrlich. Wenn ich sehe, dass in 2 Wochen mir 3 Argentinier unabhängig voneinander unterschiedliche Dinge hoch und heilig versprochen haben und nicht einer hat es eingehalten, dann mag das sogar zutreffen… Zum Glück sind nicht alle so. Clau, mein Freitagsdate ist z. B. 100% zuverlässig. Vielleicht ist es auch nur ein kulturelles oder sprachliches Missverständnis. Um das zu reduzieren, habe ich noch mal eine Woche Spanischkurs gemacht. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht wenigstens mein Spanisch etwas auf Vordermann bringen kann, wenn ich schon keinen Job an Land ziehen kann…
Ansonsten habe ich nun den Congreso, wo ich so lange um die Ecke gewohnt habe, nun auch endlich mal von innen gesehen. 






Ich war im Evita Museum,



in dessen Café ich mich dann gleich von einer sehr netten österreichischen  Ex-Callcenter-Kollegin verabschiedet habe. Sie verlässt Argentinien und ihren Freund hier, da sie auch keinen ordentlichen Job findet. Des Weiteren standen noch diverse Kunstausstellungen, Märkte und Konzerte auf dem Plan. Auf ein gratis Open-Air Konzert bin ich durch ein Plakat irgendwo aufmerksam geworden.  Ich kannte zwar keine der Gruppen, aber es war gratis und ich konnte sogar einen anderen Deutschen dazu motivieren, mitzugehen. Obwohl wir uns knapp 4 Std. bei 12,5 Grad ganz schön den Hintern abgefroren haben, war das Konzert großartig. Die 4 Gruppen stellten sich alles als super bekannte argentinische Gruppen heraus, von denen ich jeweils mindestens 2-3 Lieder kannte und schon lange den Interpreten wissen wollte. Zum Schluss gesellte sich noch eine Schwedin zu uns und wir ließen den Abend zuerst in einer Bar und anschließend in einer „Pizzeria“ ausklingen. Es hat ewig gedauert, bis wir wieder warm waren. Glühwein wäre da ne tolle Sache gewesen, aber die Flasche Rotwein hat dann auch so irgendwann gewirkt. 






 
Tja, in der Woche sind dann auch die Würfel für mich gefallen. Leider nicht zu meinen Gunsten. Die Stelle wurde angeblich intern vergeben. Was nicht stimmt, wie ich von meinem Bekannten weiß. Man hat halt (wieder) eine Argentinierin eingestellt. Damit ist die Sache nun aber für mich auch abgeschlossen. In Südamerika käme höchstens noch Kolumbien für mich in Frage, da Chile zu langweilig, Brasilien nicht spanischsprachig und die anderen Länder entweder zu kalt sind oder keine Wirtschaft haben. Und in Kolumbien fängt es ja eigentlich erst an, dass ausländische Firmen wieder investieren, so dass da noch recht wenig Auswahl ist. Und die deutsche Außenhandelskammer hat sich leider tot gestellt. Mittelamerika ist weder wirtschaftlich noch sicherheitstechnisch vielversprechend, so dass nur noch Mexiko bleibt. Da war aber auch recht wenig im Angebot in letzter Zeit. Habe mich zwar auf ein, zwei Sachen beworben, aber die meisten Angebote sind im Norden, wo selbst ICH nicht hin will. Dazu kommt der gerade vollzogene Regierungswechsel, der auch erst mal nichts Gutes verspricht. Wie verhext, falsche Zeit, falscher Ort… Deshalb werde ich Ende des Monats in meinem Flieger Richtung Deutschland sitzen, so schwer es mir auch fällt…. :-(

Letzte Woche habe ich mich dann neben dem Spanischkurs mit den Freuden des Mietwohnens beschäftigt. Meine Vermieter sind ja zur Zeit in Deutschland und auf ihre Bitte hin, habe ich es dann auch geschafft, einen Termin mit einem neuen Internetprovider zu vereinbaren, der dann auch tatsächlich am Freitag aufgetaucht ist. Trotzdem scheint das Internet noch nicht viel besser geworden zu sein… Auch die verstopfte Toilette, ausgefallene Heizung, kein warmes und später gar kein Wasser, etc. haben wir erfolgreich gemeistert. Kaum sind die Vermieter weg…. Wir, das sind jetzt eine Argentinierin, ein Franzose + seine chilenische Freundin, die ständig bei uns ist und ich. In der Zeit musste ich auch feststellen, dass offensichtlich die italienischen und deutschen Ansichten bezüglich Sauberkeit und Ordnung wesentlich kompatibler sind, als die deutsch-, franco-argentinischen…. Und ich bin sicher nicht pingelig. Aber bei meiner vorherigen italienischen Mitbewohnerin hat mich morgens beim Betreten der Küche nie der Schlag getroffen. Jetzt erwartet mich regelmäßig ein Schlachtfeld des (für mich) nächtlichen Abendessens. :-) Ja, andere Länder, andere Sitten… Stimmt immer wieder. Das sehe ich auch gerade in diesem Moment, in dem ich dies schreibe. Ich sitze in einem Café im noblen Recoleta bei meinem täglichen Café con leche und beobachte die Leute. Am Tisch neben mir sitzt ein älteres Ehepaar. Sie im Pelz mit einer schlechten Lippen-OP und vor lauter Botox keine Mimik. Am anderen Tisch werden gerade Vorstellungsgespräche abgehalten – sehr informell und auf persönlicher Ebene – und wenn ich gleich wieder vor die Tür gehe, begegne ich bestimmt wieder dem barfuß laufenden Obdachlosen, dessen Kleidung aus Mülltüten besteht, und der sich sein Essen aus den Mülleimern zusammen sucht. Oder ich kann wieder den ein oder anderen Diebstahl beobachten, wie in den letzten Tagen. Weiß nicht, ob ich da mittlerweile einfach sensibler geworden bin oder ob die Diebstähle wirklich zugenommen haben. Die Schere zwischen arm und reich wird auf jeden Fall immer größer. 
Nun denn, einen Blog-Eintrag gibt es sicher noch. 
Bis dahin liebe Grüße
Britta