Hallo Ihr Lieben,
was habe ich also letzte Woche so getrieben. Ich war im Kunstmuseum der
dieses Jahr verstorbenen Milliardärin Amalia Lacroze de Fortabat. Super tolles
Gebäude in Puerto Madero, alles vom Feinsten und auch der ein oder andere Monet
in der Ausstellung. Leider ist es auch eines der teuersten Museen der Stadt.
Die meisten anderen sind nämlich umsonst. Da hätte ja ruhig ein wenig von den Milliarden
in die Reduzierung der Eintrittspreise fließen können.
Ansonsten war ich endlich im Teatro Colon, einer der Hauptattraktionen der
Stadt. Das imposante Gebäude ist Veranstaltungsort für alle wichtigen
Theaterstücke, aber vor allem Konzerte und Opern. Während der Führung konnten
wir sogar kurz an einer Aufnahme-Prüfung für Opernsänger teilhaben, die gerade
stattfand. Ich war beeindruckt wozu die menschliche Stimme fähig ist. Man hörte
die Sänger im ganzen Gebäude ohne jeglichen Verstärker. Und das war nicht im Aufführungsaal,
der sowieso noch über eine besonders gute Akustik verfügt.
Dienstag hab ich dann so richtig den Touri gemacht und eine Stadtrundfahrt
in einem der allgegenwärtigen doppelstöckigen Busse angetreten. Natürlich habe
ich mich nach oben ins Freie gesetzt, um alles gut zu sehen und Fotos machen u
können. 3,5 Stunden hab ich bitter gefroren, was sicher nicht das Cleverste war
bei einer bereits vorhandenen Erkältung. Ich habe zwar ein paar interessante Infos
erhalten, die ich noch nicht wusste, aber insgesamt war es eine Erfahrung, die
nicht zwingend notwendig ist, da ich das meiste eh schon kannte.
Des Weiteren war ich noch im Museo del Tango und im Museo Carlos Gardel
(dem berühmtesten Tango Sänger, der relativ jung bei einem Flugzeugunfall in
Medellin verstorben ist). Hier kam dann doch ein wenig Wehmut und Bedauern auf,
dass ich dem Tango vielleicht doch eine 2. Chance hätte geben sollen….??
Als ich aus dem Museo del Tango zielstrebig das Café Tortoni (das älteste
Café von Buenos Aires) ansteuerte, wurde ich schnell (wie jedes Mal) von der
riesigen Schlange davor gestoppt. Auch wenn ich hier schon richtig gut Schlange
stehen gelernt habe, sträubt sich in mir immer noch alles dagegen, anstehen zu
müssen, um mich in ein Café setzen zu können, auch wenn es noch so nett sein
soll. Rein sehen konnte ich auch noch nicht, die haben nen Türsteher….
Also
begab ich mich stattdessen zu einem anderen traditionellen Café im Viertel Abasto
„Las Violetas“. Wahrscheinlich ähnlich wie das Tortoni. Ein schönes altes Café
mit Glas Mosaikdach und –fenstern im Belle Epoque Stil,
einer langen dunklen Bar, einer großen Auswahl an Torten, die einem die weiß
befrackten Ober bringen. Ist schon ein wenig wie in einer anderen Zeit. Hier
gönnte ich mir ein Stück „Lemon Pie“ (ja, das heißt hier tatsächlich so, man
darf es nur nicht englisch aussprechen, sonst verstehen sie einen nicht). Die
Stücke hier sind allerdings immer ziemlich groß, da sie wahrscheinlich für 2
ausgelegt sind. Da, wie der geneigte Leser ja bereits weiß, Argentinierinnen
nicht essen, teilen sie sich ein Stück meist mit einer Freundin oder dem Mann.
Aber ich bin ja keine Argentinierin… :-) Ich kann mit Stolz
berichten, auch als Einzelperson ist es zu bewältigen…. Auch wenn mir danach
erst mal gehörig schlecht war und mein Ruf in Abasto erst mal ruiniert war … :-)
Danach reizte es mich auch gar nicht mehr, den einzigen koscheren McDonalds außerhalb
Israels im Abasto Shopping Center auszuprobieren.
Auch den Geist von Carlos
Gardel, der angeblich regelmäßig besagtes Einkaufzentrum in seinem alten
Heimatviertel heimsucht, bin ich nicht begegnet.
Dafür suchte mich
etwas anderes heim. Mitten auf der Straße traf mich plötzlich wie ein Schlag
die Erkenntnis, dass ich nicht mehr lange hier sein werde… Das hat mich dann
doch ganz schön runter gezogen. War bisher noch nicht so deutlich angekommen. :-(
Am WE machte ich
mich dann mit einem deutschen Bekannten auf den Weg eine – oder vielleicht
besser, die einzige – Whiskey Hochburg in Buenos Aires zu entdecken. Anfangs
war ich etwas skeptisch, da ich ja nicht die geringste Ahnung von dem Trank
habe, aber ich verließ mich da mal auf meinen Bekannten, der unbedingt dorthin
wollte. Also fuhren wir in ein Viertel etwas außerhalb, wo ich noch nie war und
inmitten eines Wohnviertels fanden wir dann auch die Bar. Die Auswahl war
gigantisch. Über 200 Sorten aus der ganzen Welt. Damit war ich natürlich völlig
überfordert. Die meisten Namen konnte ich nicht mal aussprechen. Zum Glück
enttäuschte mich mein Bekannter nicht und stellte sich als echter Kenner
heraus. Nach kurzer Rücksprache suchte er für mich 2 perfekte Whiskeys aus, die
mich fast dazu verleiten könnten, es öfter zu probieren.
Anschließend nahmen
wir noch einen Absacker in der Bar des Faena Hotels in Puerto Madero. Nicht,
dass ich mir so was normalerweise leisten könnte, aber er wollte seinen Wagen
abstellen und wohnt gegenüber. Da bot es sich an. Das Hotel Faena ist das
Hotel, in dem in Buenos Aires die Reichen und Schönen absteigen und so sahen auch
die Bar und die anwesenden Gäste aus. Da hab ich erst mal große Augen gemacht.
Selbst in der Toilette. Die Papierhandtücher waren so dick, dass man fast
glauben konnte, sie wären aus Stoff. Aufgrund der ebenfalls anwesenden Damen im
Bad habe ich darauf verzichtet, ein paar davon für schlechte Zeiten einzupacken
:-D Nach so einem dekadenten Abend gönnte ich mir
ausnahmsweise ein Taxi nach Hause, da ich nicht die ganze Strecke bei der Kälte
laufen wollte und nicht wusste, welche Busse fuhren.
Während der Woche war ich abends mehrfach in einem Kino, in dem es gerade
das Madrid Cine Festival gibt. Jede Menge prämierter spanischer Filme.
Teilweise sehr gute, wenn für mich manchmal auch mal wieder schwer zu
verstehende Filme – allesamt ohne Happy End. Jedenfalls die, die ich gesehen
habe. Da soll man mal keine Depressionen bekommen. ..
Samstag war ich mit einer US amerikanischen Bekannten und ihrem Freund auf
einer Agrarmesse. Was tut man nicht alles, um sich zu bespaßen... War auch
tatsächlich sehr lustig. Salami, Käse, Rinder, Schafe, Pferde, Katzen, Gauchos,
Wein, Allrad-Wagen, Mähdrescher, etc. das volle Programm. Und scheinbar der totale Publikumsrenner, denn
es war super voll. Erstaunlich, dass in einer 14 Millionen Stadt so etwas auf
so großes Interesse stößt. Aber selbst der arrogante Porteño ist irgendwo stolz auf
seine „Gaucho-Herkunft“.
Am Montag wurde es dann „maritim“ mit einem Besuch im Hafen und dem Museums
Boot „Corbeta Uruguay“, dem ersten Metallschiff der argentinischen Marine, das
mehrfach zur Suche von verschollenen Expeditionen in die Antarktis geschickt
wurde (auch erfolgreich :-)).
Mal sehen, womit ich mir dann nun noch die letzte Zeit vertreibe. Habe
bereits bei meinen Bekannten hier einen Termin für einen gemeinsamen
Abschiedstrunk angefragt, was mir viel Spott der Beteiligten eingebracht hat,
da es so „un-argentinisch“ ist, so weit im voraus zu planen. Pah, ich muss mich
ja bald wieder an deutsche Sitten gewöhnen.
Bis zum nächsten Mal
Britta