Samstag, 31. Dezember 2011

Feliz año nuevo

Ich hoffe, Ihr habt Weihnachten alle gut überstanden und freut Euch schon auf den heutigen Jahreswechsel. 
Weihnachten habe ich sehr entspannt verbracht mit Betty, Rudy und Sergio (meiner Hostelfamilie) und noch ein paar weiteren Leuten. Lecker Essen (erst um 22 Uhr wie hier üblich..), ein paar Gläser Wein und um 0 Uhr gab es dann Sekt und draußen vor der Tür ging das Feuerwerk los. Ja, ich habe mich nicht im Feiertag geirrt. Hier wird an Heiligabend um 0 Uhr geknallt was das Zeug hält. Wie soll das erst heute Abend werden. (was mich daran erinnert, dass ich dringend noch Ohrenstöpsel brauche...)! 




Insgesamt war es aber doch recht "unweihnachtlich" bei 25 Grad auf der Terasse zu sitzen ohne Weihnachtsdeko oder ähnlichem. Obwohl es gibt sie ja hier, die Weihnachtsbäume. Nicht dass wir sowas hier nicht hätten:





Am Sonntag war dann die ganze Stadt wie ausgestorben. Als ich um 13:00 Uhr unterwegs war, hatte ich das Gefühl in einem Endzeitfilm gelandet zu sein. Alle Geschäfte vergittert, keine Personen oder Autos auf der Straße, nur Müll. Britta allein in Bs. As. Wurde dann aber im Laufe des Tages doch noch besser. Und abends habe ich es dann endlich gewagt. Meine erste Tangostunde. Mit den beiden Mädels aus meinem Hostel ging es nach Belgrano zu "La Glorieta" einer Open Air Milonga in einem Pavillion im Park. Sehr nette Location. Um 18:00 Uhr gibt es vorab Tanzstunde und ab 19:30 Uhr strömen dann die Massen in den Park zum Tanzen. Sehr witzig. Die Tanzstunde war sehr gut, da wir nur zu 6 waren und man so natürlich gleich viel lernen konnte. Ist ganz schön schwer und ich weiß auch noch nicht, ob der Tango und ich wirklich gute Freunde werden. Auch wenn mein Lehrer meinte, ich hätte mich gar nicht soo blöd angestellt für die erste Stunde und würde mich ganz passabel führen lassen. Immerhin. Insgesamt ist mir das Ganze glaube ich etwas zu eng (nach so ner Milonga richt man nach 3 verschiedenen Sorten Aftershave) und zu affig mit seinen ganzen Regeln, von wegen wer wie wen wann auffordern kann, etc. Leider bin ich nicht drum herum gekommen nach der Stunde auch noch mit einigen unglückseligen Männern zu tanzen, die mich unbedingt auffordern mussten. Nun denn, ich hatte sie gewarnt... Sehr süß ist, dass hier ja jeder seine Tanzschuhe mitbringt. Es ist völlig normal, dass alle Leute mit einem Beutel auftauchen und kurz vor der Milonga ihre Schuhe wechseln. Egal ob Anfang 20 oder Mitte 60. Das ist auch ein Phänomen. Das Durchschnittsalter auf solchen Veranstaltungen liegt doch sehr oft weit über meinem und es macht richtig Spaß 60jährigen Paaren beim Tanzen zuzugucken. 
Am Montag musste ich dann feststellen, dass Christina (die Präsidentin Argentiniens) tatsächlich ernst gemacht hat. Der 2. Weihnachtstag ist seit diesem Jahr auch hier ein Feiertag. Zumindest für manche Firmen... zumindest für die Firmen, die ich am Montag mit meinem Lebenslauf belästigen wollte. Die Geschäfte hingegen hatten auf.  Na ja, es waren zum Glück 2 die ich zu Fuß erreichen konnte. Allerdings die letzten beiden. Die nächste Runde Klinken putzen wird mich nun in die weiter entlegenen Viertel oder fast schon Vororte von Buenos Aires führen und dazu brauchte ich einen Plan, einen Busplan oder besser gesagt ein kleines Busbuch. Und glaubt mal gar nicht, dass DAS logisch oder einfach zu lesen wäre.... NEIN, da muss man erst mal seinen Ausgangspunkt finden, dann den Endpunkt auf der Karte, dann schaut man welche Busse in dem ersten Kartenabschnitt fahren und welche in dem Abschnitt der gewünschten Endhaltestelle fahren. Mit der Schnittmenge der Busse kann man dann fahren. Und wenn es keine gibt? Dann fängt der Spaß erst richtig an. Dann kann man das ganze Spiel auf die umliegenden Kartenabschnitte ausweiten... Hat man dann endlich herausgefunden, welchen Bus man nehmen kann, dann weiß man noch lange nicht, wann sie fahren oder wo eine Haltestelle ist. Das ist dann einfach Glückssache. Man geht los und guckt wo eine Haltestelle ist, stellt sich da dann in die Schlange und wartet bis der Bus kommt. Was hier gut klappt, ist das Schlange stehen. Vor Bushaltestellen, im Supermarkt oder vor Banken. Schlange stehen können die super. Haben ja auch genug Übung. Vor allem vor Banken. 

Diese Woche habe ich mein mitgebrachtes spanisches Buch angefangen, mal wieder einen Gabriel Garcia Marquez. Habe 2 Std für 25 Seiten gebraucht mit dem Laptop auf dem Schoß um all die Wörter, die ich nicht kannte, im Online Wörterbuch nachzuschlagen..... Vielleicht hätte ich mir doch einen Isabel Allende kaufen sollen.... Na ja, wenn es zu schlimm wird, kenn ich ja schon einen Kiosk an dem sie die deutsche "Bunte" und "Frau im Spiegel" verkaufen...oder ich frage Rudy nach dem Argentinischen Tageblatt. Soviel zu meinem Spanisch.. :-(



Also dann, ich muss jetzt meinen Pflichten als Tourist beim Sightseeing nachkommen. 
Euch allen einen guten Rutsch und ein tolles, erfolgreiches, glückliches neues Jahr. 

Bis demnächst
Britta

Freitag, 23. Dezember 2011

So, jetzt muss ich direkt mal mein heutiges Erlebnis vom "Klinken putzen" mit jemandem teilen. Ich bin heute morgen also wieder unterwegs zu einer deutschen Firma und nach einer langen Fahrt (über 1 Std.) mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die eine völlig andere Route genommen haben, als im Internet angegeben, habe ich es dann auch problemlos geschafft die gewünschte Adresse zu finden. Die Firma lag in einem etwas schäbbigen Viertel das ganz offensichtlich von der fleischverarbeitenden Industrie lebt. Egal von man hinschaute waren Metzgereien, halbe Schweine oder Rinder, rohes Fleisch ohne Ende, die ein oder andere Innerei auf der Straße und viele Männer in blutigen Schürzen. Und mittendrin ich, die Vegetarierin im schwarzen Bewerbungskostümchen, der alle 10 Meter irgendein Metzger hinterher pfeift. Das Gebäude der besagten Firma sah auch eher aus wie ein großes Kühlhaus, so dass ich spontan entschlossen habe "gehe nicht über Los, ziehe nicht EUR 4.000 ein"... und bin mit meiner Bewerbungsmappe direkt wieder durchgestartet und habe schnellstmöglich den nächsten Bus zurück gesucht. Ich hoffe, Ihr habt bei der Vorstellung dieses Szenarios genauso viel Spaß, wie ich hatte :-) Habe mich auf dem Rückweg fast schlapp gelacht.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Nach dem sehr netten Tangofestival am Samstag Abend mit 3 Bühnen, Musikgruppen, Showtänzern, Sängern und jeder Menge spontanem Tanzen auf der Straße (neeein, ich nicht... ), ging es Sonntag dann mit einer Gruppe von Leuten zum Segeln. Witzigerweise waren wir alle Deutsche bis auf die Organisatorin, die Kolumbianerin ist. Ein sehr netter Tag mit jeder Menge Sonne, super Segelwetter, viel Gelächter und einem entspannten Chil-Out in Recoleta mit dem ein oder anderen kühlen Getränk.






Abends ging es dann für mich gleich weiter mit Tango und zwar bei einem Konzert mit Tango Songs der 20er Jahre. War auch sehr nett, allerdings sind mir vor Hitze und Müdigkeit vom Tag dann irgendwann die Augen zu gefallen. Wenigstens hab ich nicht angefangen zu flennen bei den ganzen melancholischen und schlichtweg traurigen Liedern.
Seit Montag hab ich fast so was wie einen geregelten Tag. Morgens Klinken putzen bei deutschen Firmen (mittlerweile hab ich schon 40 abgegrast) und nachmittags Spanisch Unterricht. Abends treffe ich mich dann öfters noch mit irgendwelchen Expats, die einem ja vielleicht auch noch Job-Ideen geben könnten. Wie Ihr also seht, bin ich auch ohne Job fast im Stress :-)
Dienstag habe ich dann eines meiner Abschiedsgeschenke eingelöst. Eine Fahrradtour durch Buenos Aires. Ich wusste nicht, dass Ihr mich sooo dringend loswerden wollt!! Ich dachte es reicht, wenn ich ans andere Ende der Welt ziehe, aber Ihr wolltet echt sicher gehen, dass ich nicht überlebe, oder? Hab ich aber doch, ätsch! ;-) Nee, im Ernst war ganz ok, obwohl man hier als Fahrradfahrer ganz, ganz unten in der Nahrungskette ist. Und das bei dem an und für sich schon wahnsinnigen Verkehr. War aber wirklich gut und an manchen Stellen haben sie sogar schon Fahrradwege. Kaum zu glauben. Auf jeden Fall weiß ich jetzt warum Boca Junios (das beliebteste Fußballteam von Buenos Aires) die Farben blau-gelb trägt. Früher war es schwarz-weiß, aber ein anderes Team hatte auch schwarz-weiß. Nach einem Spiel gegen dieses Team, das Boca verloren hat, beschlossen die Spieler während sie unten am Hafen saßen und weinten, dass sie ihre Farben ändern müssen. Man einigte sich dann darauf, dass man die Farben der Flagge des nächsten Schiffes nehmen würde, das im Hafen einlaufen würde. Es war ein schwedisches Schiff. :-) Ansonsten haben wir noch den Hafen besichtigt, la Boca selbst, ein bisschen von San Telma und ein kleines Naturreservat am Hafen von Buenos Aires. Alles bei schnuckeligen 38 Grad 3,5 Std. lang auf dem Fahrrad. Hatte auch nur ganz leichten Sonnenbrand.








Samstag, 17. Dezember 2011

Der Sonntags-Flohmarkt in San Telmo war wie immer großartig mit all seinen Antiquitäten und anderen alten Dingen, den gleichaltrigen Verkäufern und den Tango-Vorführungen und -konzerten. Halt das Buenos Aires, das man immer so in seiner Vorstellung hat. Und dann, was steht inmitten dieser ganzen schönen Tradition: ein Starbucks Kaffee! Geht gar nicht... 



Am Montag ging es dann wieder zurück an die Bewerbungsfront mit all seinen Höhen und Tiefen. Das größte Tief war, als ich gemerkt habe, dass ich vor lauter Aufregung über das Finden einer konkreten Stelle in der Bewerbung darauf sowohl den Namen falsch geschrieben als auch die Adresse vertauscht  hatte. Peinlich, peinlich!!! So hat man auch keinen Job verdient. Hab natürlich sofort eine korrigierte Version nachgeschickt mit Tausend Entschuldigungen.  Das Hoch war dann, dass ich 2 Tage später bei genau dieser Firma mein erstes Vorstellungsgepräch hatte. Sagen wir mal, ich hab mich ehrenhaft geschlagen. Der Job würde mir sowieso nicht liegen, also betrachte ich es als gute Übung. Und damit ich auch gar nicht erst daraus komme, habe ich seit Freitag auch wieder Spanischunterricht. Zumindest mal bis Ende nächster Woche und dann schauen wir mal wie es läuft. Irgendwie muss ich ja gezielt wieder rein kommen. Außer  Klinken putzen habe ich diese Woche mal mein "soziales" Netz hier erweitert, indem ich mich mit verschiedenen Expats aus anderen Ländern getroffen habe und auch die letzten Abende mit 2 Mädels aus meinem Hostel unterwegs war. Donnerstag war ich also auf meiner ersten Milonga (Tango-Tanzveranstaltung). Die zwei anderen können schon tanzen und haben direkt die Übungsstunde genutzt, während ich mich erst mal mit Zuschauen begnügt habe. War trotzdem ganz lustig. Die Füße des armen Kerls, der mich dann irgendwann aufgefordert hat, wurden zum Glück durch den Beginn der Vorführungen gerettet. :-) Mal sehen, wann ich mich an die erste Stunde wage. Heute geht es erst einmal zu einem Open Air Tango Festival wo ich mich ja schon mal weiter bilden kann. 




Ach ja, an alle Neider ;-) Die letzte Woche hat es hier jeden Tag wolkenbruchartig geschüttet (bevorzugt, wenn man gerade vor die Tür gehen wollte...) und es war mit nur 23 Grad empfindlich kühl :-)

Samstag, 10. Dezember 2011

Wie sich bald herausstellte, hätte ich die Pause sowieso einlegen müssen, da am Donnerstag hier Feiertag war und dementsprechend auch Freitag gleich alles geschlossen bleibt. Zwangspause also. Die habe ich dann auch gleich genutzt, um mich als Tourist zu betätigen. Donnerstag ein wenig Sightseeing in Buenos Aires und Freitag war ich dann in Tigre. Tigre ist ein ca. 1 Std. von Buenos Aires entferntes großes Flussdelta und beliebter Ausflugsort der Porteños (Einwohner von Buenos Aires). An diesem Tag schienen auf jeden Fall die ganzen 13 Millionen Porteños auf die gleiche Idee gekommen zu sein, wie ich. Dementsprechend verbrachte ich die Hinfahrt im Zug auf Zehenspitzen stehend, eingeklemmt wie die Sardinen, ständig darum bemüht, noch Bodenhaftung und meine Tasche zu behalten. Ähnlich voll war es dann auch im Ort selbst und an den Schaltern der Bootstouren. Mein erster Gedanke war eigentlich nur, zurück mit dem nächsten Zug, aber ich fand dann doch noch eine Bootstour, bei der ich nicht allzu lange warten musste und die mich dann entspannt durch die ganzen Flussarme geschippert hat. Hier stehen überall teilweise sehr aufwendige und nette Häuser auf Stelzen. Die meisten davon sind ganz normal bewohnt, manche allerdings sind Hotels oder Restaurants und man kann anlegen und eine Zeit verweilen, im Wasser planschen, Ruderboot oder Kayak fahren, etc. Alles recht nett, aber lieber noch mal, wenn weniger Besucher da sind. 






Heute war auch wieder einiges los, da Christina Kirchner, die Präsidentin, nur zwei Blocks von mir entfernt wieder vereidigt wurde. Dementsprechend war natürlich jeder unterwegs. Alles war abgesperrt und voller Polizei, Militär, Hubschrauber, berittene Staffeln, Demonstranten aus allen Lagern. Überhaupt, Demos, eines der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Argentinier. Es vergeht kaum ein Tag in dem ich nicht in einen protestierenden Mop stolpere. Egal wogegen.
Ansonsten vertreibe ich mir die Zeit damit, mir Buenos Aires genauer anzuschauen und schon mal potentielle Wohngebiete zu erkunden. Palermo wäre sehr nett, Ricoletta auch, aber egal mit welchem Gehalt ich rechnen könnte, wohl nicht zu finanzieren. Morgen werde ich mir nochmal San Telmo, meinen früheren Favoriten anschauen. Und Montag geht es dann wieder zurück an die Jobsuche. 


Mittwoch, 7. Dezember 2011

The beginning

So, da bin ich also nun. In Buenos Aires, der Stadt des Tango und der Steaks. Dumm nur, dass ich Vegetarier bin und kein Tango tanzen kann... Aber egal, ich bin ja auch hier um einen Job zu suchen und ein neues Leben anzufangen. Das war jedenfalls der Plan als ich am Donnerstag Abend in Frankfurt in den Flieger gestiegen bin. Gut, vorher musste ich erst die Hürde mit dem Übergepäck nehmen. Warum LH für 33 kg in 2 Gepäckstücken nur 50 EUR Übergepäck berechnet, für 33 kg in 1 Gepäckstück aber 200 EUR muss ich nicht verstehen, ich habe mir am Flughafen eine neue Tasche gekauft. So kam ich dann also nach 14 Std. Flug Freitag morgen mit 3 Taschen in Buenos Aires an, wo ich netterweise von Sergio, dem Sohn meiner Hostel Besitzer am Flughafen abgeholt wurde. Das Casa und die Besitzer haben sich kein bisschen verändert, sogar Moro der Kater ist noch da. Dasselbe kann ich irgendwie auch von Buenos Aires sagen. Ist irgendwie noch alles so, wie vor 3 Jahren, hab sogar meinen alten Supermarkt und Friseur wiedergefunden. 
Nach einer kurzen Runde Sightseeing am Samstag und Sonntag ging es dann Montag direkt los mit der Jobsuche. Bewaffnet mit der Firmenliste der Deutschen Aussenhandelskammer habe ich die letzten Tage damit verbracht deutschen Firmen in Buenos Aires meine Bewerbungsunterlagen online oder höchstpersönlich ganz altmodisch auf Papier aufzudrängen. Keine Ahnung wieviele km ich dabei zurück gelegt habe. Gefühlt habe ich auf jeden Fall einmal ganz Buenos Aires durchquert und viele Liter Schweiß verloren. Meine Füße habe ich mir blutig gelaufen, das sollte Zeichen für vollen Körpereinsatz genug sein. Morgen werde ich erst mal eine Pause einlegen.