Samstag, 17. März 2012


Hallo zusammen,
viele Grüße aus der Warteschleife. Ich konnte es also nicht mehr vermeiden oder durch geschicktes Weiterbewerben abwenden: Ich bin nun Call Center Agent. Die holländische Firma hat es irgendwann doch mal auf die Reihe bekommen, meine Einstellung zu beschleunigen. Und nun arbeite ich bereits seit 1 Woche dort. Der 1. Tag war Einführung, der 2. Tag Projekttraining und ab dem 3. Tag wurde ich direkt auf die Kunden losgelassen. Ich betreue zur Zeit die deutschen und englischen Kunden einer Wasserhahn-Hotline, die innerhalb der Garantiezeit Ersatzteile bei uns ordern können. Sehr glamourös. :-) Man lernt hier echt für’s Leben. Mein Training bestand unter anderem darin, diverse Wasserhähne auseinander und wieder zusammen zu bauen. Solltet Ihr also demnächst mal Probleme mit Euren Sanitäranlagen haben: Ruft mich an!! ;-) Spaß beiseite, ist schon abgefahren, mal auf der anderen Seite der Leitung zu sitzen und manchmal auch sehr erheiternd, was man alles so zu hören bekommt. Aber insgesamt ist es sehr entspannt – zu entspannt! Ich hatte gerade mal 3 Anrufe diese Woche. Den Rest der Zeit sitze ich rum und versuche möglichst unauffällig, sinnvolle Dinge zu machen, wie Blog schreiben, Nachrichten oder Bücher lesen und Spanisch lernen. Aber das wird sich wohl nächste Woche (hoffentlich?) ändern, da dann neue Projekte auf mich warten. Was ein wenig nervt, sind die Arbeitszeiten: 6 – 15 Uhr. Da muss ich mich nach meinem Lotterleben erst mal wieder dran gewöhnen. Aber auch wenn ich schon fröhlich arbeite habe ich immer noch weder Vertrag noch Arbeitserlaubnis. Mein Termin bei Migraciones hat sich 2 x verschoben. Ob wegen Migraciones oder der Unfähigkeit meiner Personalabteilung kann ich nicht sagen (nur vermuten…). Ich hoffe auf jeden Fall, ab Montag legal zu sein. Den medizinischen Test habe ich scheinbar auch bestanden: 2 Std Komplettcheck mit Blut, Urin, Röntgen, EKG, Hör- und Sehtest, Gewicht, etc. Aber das ist hier wohl für jeden Job normal. Dafür gibt es eigene Medizinzentren, die nichts anderes machen. Trotzdem macht man sich bei den alten Röntgengeräten doch so seine Gedanken, oder wenn einem die Adern mit einem alten Stück Gummischlauch abgebunden werden, statt mit den schicken Bändern, die man so vom Blutspenden kennt.
Von meinem Wunschjob habe ich leider noch nichts weiter gehört, außer zuerst eine Abwesenheitsmitteilung meiner Bearbeiterin und gestern weitere Vertröstungen, dass man noch im Auswahlprozess sei und mir nächste Woche Bescheid geben würde, so wie letzte Woche und vorletzte Woche auch (nicht…).  Die haben noch nicht mal mein Profil weitergegeben, da sie erst mal sammeln wollen…! Es gibt also noch Hoffnung, aber meine Geduld wird da mal wieder auf eine ziemlich harte Belastungsprobe gestellt. .. Ich bleib weiter dran.
Gute Nachrichten gab es auch für Regi. Sie arbeitet ebenfalls seit Montag für eine NGO (also genau das, was sie wollte). Sieht also wohl so aus, als ob wir beide erst mal bleiben.
Wohnungstechnisch bin ich auch zunächst bis Ende April abgesichert. Dann sehen wir weiter, wie sich die Jobsituation entwickelt hat. Dort habe ich nur das Problem, dass ich meine Miete eigentlich in USD zahlen muss. Wie ich mittlerweile schmerzlich erfahren musste, ist es aber so ziemlich unmöglich an USD zu kommen. Die Geldautomaten, die dafür ausgelegt sind, auch Dollar auszugeben, tun dies einfach nicht und die Bank schiebt das dann auf meine Bank in Deutschland. Denen ist das aber so ziemlich schnurz in welcher Währung ich mein Geld verpulvere, solange noch genug auf meinem Konto ist. Das haben sie mir auch bestätigt.  In Banken kann ich zwar USD in Pesos wechseln, aber nicht anderes herum. In Wechselstuben kann ich Pesos nicht in USD wechseln ohne einen Beleg, dass ich irgendwann schon einmal USD in Pesos gewechselt habe. Ein Teufelskreis. Hilfreiche Kommentare der freundlichen Bankangestellten waren: „Ich soll mit der Präsidentin darüber reden“ (Mach ich gerne, wenn ich sie das nächste Mal auf nen Kaffee treffe…) oder „In Argentinien wird mit Pesos bezahlt, alles andere ist illegal.“ Mag ja stimmen, hilft mir nur nicht weiter…  Damit war ich also fast einen kompletten Tag beschäftigt von Bank zu Wechselstube, etc. zu laufen. Entweder fällt Miriam, meiner Vermieterin, noch etwas ein, sonst hört sich das verdammt nach Schwarzmarkt an. Wie damals in Venezuela… Schöne Überleitung. Gerade die ständig neuen Einschränkungen im Finanzwesen, Import, Export, etc. weisen sehr darauf hin, dass sich Argentinien immer mehr in Richtung Venezuela entwickelt. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
Was gibt es sonst noch zu berichten? Hm, eigentlich nicht so viel. Seit ich wieder zur arbeitenden Bevölkerung gehöre, kann ich abends natürlich nicht mehr so viel unterwegs sein. Besonders nicht bei den Arbeitszeiten.  Da weiß man doch plötzlich wieder das WE viel mehr zu schätzen :-)
Also dann bis zum nächsten Mal.
Britta

Sonntag, 4. März 2012


Buen día miteinander,
tja, schon wieder 2 Wochen rum und ich kann nur schreiben, dass ich noch keinen Schritt weiter bin als beim letzten Mal. Die Mühlen mahlen hier sehr langsam…. Mein argentinisches polizeiliches Führungszeugnis habe ich noch am selben Tag nach etwas über einer Stunde Anstehen bekommen. Aber seit dem warte ich darauf, dass mein potentieller Arbeitgeber mal einen Termin bei der Migración bekommt. Vielleicht sollte ich mich da noch mal als Sekretärin bewerben, denn scheinbar stellt sie das Vereinbaren von Terminen vor echte Probleme…. Meinen Vorstellungsgesprächstermin hatten sie ja auch doppelt vergeben. Ich muss mich also weiterhin in Geduld üben. Wir hatten in den letzten 2 Wochen ja auch immerhin 3 Feiertage. Damit steigt die Zahl der Feiertage, die von der Regierung neu ins Leben gerufen wurden, alleine in der Zeit in der ich hier bin (3 Monate) auf 5 an. Mal sehen, wie viele noch kommen.
Ansonsten ist ehrlich gesagt nicht so viel passiert. Aufgrund eines Missverständnisses musste ich kurzfristig am Freitag umziehen. Ich hatte gesagt, ich wollte das Zimmer bis März reservieren (und meinte EINSCHLIESSLICH), Sergio hatte aber bis Ende Februar verstanden. Zum Glück hatten wir das früh genug festgestellt, so dass ich mich noch entspannt bei Miriam, meiner Bekannten aus amHhHHh     hhhhh HHHHNFJJDYPIFJFJJOHHHHH     Hamburg, einnisten konnte. Sie vermietet ebenfalls Zimmer und ich fühle mich pudelwohl hier. Das Viertel (Recoleta) ist zwar für meine Verhältnisse etwas zu schick, aber da muss ich jetzt wohl durch. Ich kann mich ja zum Trinken immer noch in den schäbigeren Vierteln rumtreiben J Obwohl auch das haben wir die letzten Wochen recht reduziert. Regina hat sehr ernsthaft nach Jobs gesucht und auch ich hatte nochmal ein Vorstellungsgespräch was sich sehr vielversprechend angehört hat und wo ich auf die Einladung zur zweiten Runde warte. Meine persönliche Initiative „menos cerveza, más cultura“ (weniger Bier, mehr Kultur) hat mich in den letzten Wochen immerhin in die Kathedrale und das Museum der schönen Künste verschlagen. Aber so richtig umgehauen, hat mich beides nicht. Vielleicht bin ich einfach ein zu großer Banause, aber die ganzen Bilder im Museum fand ich einfach langweilig, auch wenn sie von Monet, Rubens, Goya oder was weiß ich wem waren. Mit Goya kann ich mich farblich ja vielleicht anfreunden, aber thematisch eher nicht. J Mir haben die meisten Bilder auf dem Kunsthandwerkmarkt vor dem Museum besser gefallen. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war unser  Besuch bei einem „echten“ Italiener hier. Regi hatte den Tipp von ihrem Freund von der italienischen Botschaft. Ein Restaurant in dem es richtiges italienisches Essen gibt und nicht den Pseudokram, den es sonst überall an jeder Ecke gibt. Es war sicher ein sehr lustiges Bild uns drei Europäerinnen (Regi = Holländerin, Theresa = Österreicherin und ich) von einer Verzückung in die nächste fallen zu sehen, nur weil wir normalen Mozzarella und eine gute Pizza serviert bekamen. Die meisten Zutaten waren aber tatsächlich importiert, was uns bei der Rechnung dann eher in Ohnmacht als Verzückung fallen ließ. Aber wir hatten ja schließlich Regis erstes und hoffentlich auch mein erfolgreiches Vorstellungsgespräch zu feiern. Da durften wir uns das mal leisten. Das mit dem Essen ist echt kein Witz, das italienische Päärchen aus meinem letzten Hostel sieht das angeblich italienische Essen hier als persönliche Beleidigung an und versteht beim besten Willen nicht, was Generationen von italienischen Einwanderern hier verbrochen haben. Immer wieder ein Quell der Erheiterung wenn man Leute fragt, wie sie das Essen hier finden.
Gestern war ich noch auf einem Konzert einer Latin Ska Band die ich bereits in Deutschland kannte und die, wie ich jetzt erfahren habe, aus Argentinien kommt. Sehr nett, super Stimmung und zum Schluss wurde die Bühne von Familie, Freunden und Bekannten der Band gestürmt und alle haben zusammen gesungen. Sehr lustig.
Das war es nun aber wirklich. Mehr ist echt nicht passiert. Die großen, für letztes WE geplanten Karnevalsumzüge sind wegen des Zugunglücks abgesagt worden und konnten so also auch nicht mein Karnevalsentzug geplagtes Herz trösten. Das Zugunglück war übrigens ca. 10 min Fußweg von meiner letzten Wohnung entfernt. Aber das Einzige was ich mitbekommen habe, waren sehr viele Krankenwagen und mehr Verkehrschaos als gewöhnlich. Es hat die Stadt allerdings ziemlich erschüttert, wie man daran sieht, dass alle Großveranstaltungen abgesagt wurden, und führte mal wieder (wie so ziemlich alles hier) zu Großdemos und Streiks, die letzte Woche für einen Tag die halbe Stadt lahm legten. Keine Züge, keine U-Bahn und die halbe Innenstadt abgesperrt mit einem Großaufgebot an Polizei. Das können sie wirklich gut. Es wird kaum eine Gelegenheit zum Demonstrieren ausgelassen. Auch daran gewöhnt man sich ziemlich schnell.
So, wogegen in den nächsten Wochen demonstriert wird, ob ich irgendwann mal in Brot und Arbeit bin und ob ich hoffentlich länger in meiner jetzigen Behausung bleiben kann, erfahrt Ihr dann im nächsten Blog.
Liebe Grüße
Britta