Mittwoch, 1. August 2012


Was soll ich schreiben? Die letzte Woche in meinem Buenos Aires querido.. Ich habe die Zeit hauptsächlich genutzt, noch mal die Stadt zu genießen. Entspannt durch die Straßen zu schlendern, Fotos zu machen, etc. Vor allem La Boca war noch mal sehr nett. Die ganzen bunten Häuschen ohne die Touribusse vom Wochenende sind soviel entspannter. Bis jetzt kann ich auch immer noch nicht sagen, welches der Unmengen an Cafés mein Lieblingscafé ist, dafür sind es einfach zu viele. Aber selbst berühmte Personen wie Gardel oder Borges hatten mehr als eins..  :-) Was mich allerdings immer wieder aufregt ist, dass  wen man in einem Café oder Restaurant sitzt, das nicht heißt, dass man auch schnell bedient wird. Oft stehen 5 Angestellte rum und unterhalten sich während mindestens 3 Gäste auf die Karte warten geschweige denn bestellen möchten. Das erinnert mich dann doch immer wieder an die staatlichen Restaurants auf Cuba oder die DDR. Auch dass die Preise schon wieder gestiegen sind, ist eher negativ. Der Milchpreis z. B. ist im letzten Monat 2 x um 1 Peso gestiegen. 1 Liter Milch kostet jetzt umgerechnet bis zu 1,30 €. Aber wir haben ja keine Inflation… Was gibt es noch Neues aus Christinalanld. Ach ja, ich hatte ja mal geschrieben, dass meine Vermieter in Deutschland waren/sind. Sie ist 2 Tage früher geflogen und er wollte dann mit den 2 Töchtern nachkommen. Wollte…! Man hat ihn nicht ausreisen lassen, da es wohl ein Gesetz in Argentinien gibt, dass miderjährige Kinder immer nur mit beiden Elternteilen das Land verlassen dürfen bzw. mit einem Teil und einer notariell beglaubigten, original Erlaubnis des anderen Teils. Das andere Teil war aber schon in Deutschland. Also musste er nach 6 Std. Verhandeln am Flughafen mit den weinenden Töchtern wieder nach Hause und sie hat in Deutschland rotiert: Erlaubnis schreiben, Notar, neue Geburtsurkunde der Mädels besorgen um sich und diese ausweisen zu können, argentinische Botschaft… und dann sollte es nicht zählen, da es keine Apostille hatte. Das war wohl der Punkt an dem Miriam, die normalerweise die Ruhe in Person ist, ausgerastet ist. Irgendwie hat das dann wohl auch gewirkt. Auf jeden Fall konnten die drei am nächsten Tag fliegen. Wer denkt sich bitte ein solches Gesetzt in einem Land aus, in dem es nur so von allein erziehenden Müttern wimmelt???
Des Weiteren habe ich schon mal meine Sachen sortiert. Die Hälfte davon Business Klamotten die ungenutzt und unausgepackt sowieso noch im großen Koffer sind. Die Freizeitklamotten zur Hälfte entsorgt und einen Teil davon wie immer an eine gemeinnützige Organisation gespendet. Platz für die Souvenirs…
Donnerstag habe ich dann angefangen mich zu verabschieden. Eigentlich schon Mittwoch beim Internations Treffen und ab da dann jeden Abend mit anderen Leuten. Donnerstag habe ich dann nur gemerkt, dass ich immer noch viel zu deutsch bin (genetisch versaut :-) ) 5 Minuten vor der vereinbarten Zeit  war ich am Treffpunkt, obwohl ich genau wusste, dass meine kolumbianische Freundin NIE pünktlich kommt. Dieses Mal hat sie sich allerdings selbst übertroffen: 50 min zu spät :-)
Nach einem letzten, enttäuschend kurzen Abschiedsabend am Samstag (nur bis 2:30 Uhr..), zeigte sich Buenos Aires an meinem letzten Tag noch einmal von seiner schönsten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehm warmen 20 Grad gab ich mir noch mal die ganze Palette (vielleicht doch gut, dass es nicht sooo lange war am Abend vorher). Erst mal eine große Runde Spazieren durch das Reserva Ecologica, wo ich mir Mühe gab, keine persönliche Variante von „Am Ufer des Rio Plata saß ich und weinte bitterlich“ zu geben. Dann noch ein letztes Mal San Telmo mit seinem fantastischen Sonntagsmarkt, zwischendurch eine Kaffeepause mit Cafe con leche und Alfajor, dann weiter nach Recoleta zum Plaza Francia und dem berühmten Friedhof. Auf der Plaza war wie jedes WE ein großer Handwerkermarkt und auf den Wiesen drum herum saßen die Leute auf Decken mit ihrem Mate Tee, mehrere Bands spielten und über allem lag eine Wolke von Hasch. Herrlich, wie werde ich das vermissen. Aber nicht nur diese entspannten Sonntage im Freien werde ich vermissen, sondern sehr viel mehr, wie z. B.
  • Die Stadt an sich mit ihrer tollen Architektur und dem einzigartigen Flair
  • Das kulturelle Angebot
  • Den Rotwein
  • Die Freunde, die ich hier gewonnen habe
  • Dass alle (ja, auch die Männer) tanzen bis morgens um 6
  • Die Piropos (das sind die Komplimente, die man an einem guten Tag alle paar Straßenecken zugerufen bekommt und die einen am Anfang so stören. Man gewöhnt sich dran :-D )

Definitiv NICHT vermissen werde ich:
  • Schlechtes Essen
  • Schlange stehen
  • Streiks
  • Volle, schwitzige Subte (U-Bahn) im Sommer
  • Räume ohne Heizung
  • Nur 2 Sorten Joghurt (Vanille und Erdbeere)
  • Preiserhöhungen von 200%
  • Ständig verstopfte Toiletten
  • Männer, die einem ungefragt die Zunge in den Hals stecken wollen, ohne sich wenigstens mal vorzustellen

Aber es gibt auch Dinge, auf die ich mich freue: 
  • Freunde 
  • Gutes Essen (wiederhole ich mich :-D )
  • Neue Schuhe OHNE Leder (Leder und Gelatine sind hier 2 Dinge die einfach überall drin oder dran sind. Irgendwo müssen die halt mit den restlichen Teilen der ganzen Rinder hin…)

Als ich dann irgendwann zu müde zum Weiterlaufen war und mir spontan nichts mehr einfiel, musste ich wohl oder übel der Realität ins Auge schauen und meinen Koffer packen. Fragt nicht, in welchem Zustand.
Tja, so schnell sind 8 Monate vorbei. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich, wenn ich das hier veröffentliche wahrscheinlich schon wieder in Deutschland bin. Leider ist es weder Tango noch Tequila geworden, sondern wohl doch wieder Bier und Bratwurst (nicht, dass ich die jetzt essen würde, das war nur für die Alliteration ;-) )
In meinem Zimmer gab es eine kleine Skulptur, die meine derzeitige Verfassung sehr gut zusammenfasst und deren Sinn ich erst jetzt richtig verstehe. (Eine Figur die mit 2 großen Koffern und hängenden Schulter vom Obelisco weggeht):


Dienstag, 24. Juli 2012


Hallo Ihr Lieben,
was habe ich also letzte Woche so getrieben. Ich war im Kunstmuseum der dieses Jahr verstorbenen Milliardärin Amalia Lacroze de Fortabat. Super tolles Gebäude in Puerto Madero, alles vom Feinsten und auch der ein oder andere Monet in der Ausstellung. Leider ist es auch eines der teuersten Museen der Stadt. Die meisten anderen sind nämlich umsonst. Da hätte ja ruhig ein wenig von den Milliarden in die Reduzierung der Eintrittspreise fließen können.
Ansonsten war ich endlich im Teatro Colon, einer der Hauptattraktionen der Stadt. Das imposante Gebäude ist Veranstaltungsort für alle wichtigen Theaterstücke, aber vor allem Konzerte und Opern. Während der Führung konnten wir sogar kurz an einer Aufnahme-Prüfung für Opernsänger teilhaben, die gerade stattfand. Ich war beeindruckt wozu die menschliche Stimme fähig ist. Man hörte die Sänger im ganzen Gebäude ohne jeglichen Verstärker. Und das war nicht im Aufführungsaal, der sowieso noch über eine besonders gute Akustik verfügt. 






Dienstag hab ich dann so richtig den Touri gemacht und eine Stadtrundfahrt in einem der allgegenwärtigen doppelstöckigen Busse angetreten. Natürlich habe ich mich nach oben ins Freie gesetzt, um alles gut zu sehen und Fotos machen u können. 3,5 Stunden hab ich bitter gefroren, was sicher nicht das Cleverste war bei einer bereits vorhandenen Erkältung. Ich habe zwar ein paar interessante Infos erhalten, die ich noch nicht wusste, aber insgesamt war es eine Erfahrung, die nicht zwingend notwendig ist, da ich das meiste eh schon kannte.
Des Weiteren war ich noch im Museo del Tango und im Museo Carlos Gardel (dem berühmtesten Tango Sänger, der relativ jung bei einem Flugzeugunfall in Medellin verstorben ist). Hier kam dann doch ein wenig Wehmut und Bedauern auf, dass ich dem Tango vielleicht doch eine 2. Chance hätte geben sollen….?? 







Als ich aus dem Museo del Tango zielstrebig das Café Tortoni (das älteste Café von Buenos Aires) ansteuerte, wurde ich schnell (wie jedes Mal) von der riesigen Schlange davor gestoppt. Auch wenn ich hier schon richtig gut Schlange stehen gelernt habe, sträubt sich in mir immer noch alles dagegen, anstehen zu müssen, um mich in ein Café setzen zu können, auch wenn es noch so nett sein soll. Rein sehen konnte ich auch noch nicht, die haben nen Türsteher…. 


Also begab ich mich stattdessen zu einem anderen traditionellen Café im Viertel Abasto „Las Violetas“. Wahrscheinlich ähnlich wie das Tortoni. Ein schönes altes Café mit Glas Mosaikdach und –fenstern im Belle Epoque Stil, einer langen dunklen Bar, einer großen Auswahl an Torten, die einem die weiß befrackten Ober bringen. Ist schon ein wenig wie in einer anderen Zeit. Hier gönnte ich mir ein Stück „Lemon Pie“ (ja, das heißt hier tatsächlich so, man darf es nur nicht englisch aussprechen, sonst verstehen sie einen nicht). Die Stücke hier sind allerdings immer ziemlich groß, da sie wahrscheinlich für 2 ausgelegt sind. Da, wie der geneigte Leser ja bereits weiß, Argentinierinnen nicht essen, teilen sie sich ein Stück meist mit einer Freundin oder dem Mann. Aber ich bin ja keine Argentinierin… :-) Ich kann mit Stolz berichten, auch als Einzelperson ist es zu bewältigen…. Auch wenn mir danach erst mal gehörig schlecht war und mein Ruf in Abasto erst mal ruiniert war … :-) Danach reizte es mich auch gar nicht mehr, den einzigen koscheren McDonalds außerhalb Israels im Abasto Shopping Center auszuprobieren.



Auch den Geist von Carlos Gardel, der angeblich regelmäßig besagtes Einkaufzentrum in seinem alten Heimatviertel heimsucht, bin ich nicht begegnet.
Dafür suchte mich etwas anderes heim. Mitten auf der Straße traf mich plötzlich wie ein Schlag die Erkenntnis, dass ich nicht mehr lange hier sein werde… Das hat mich dann doch ganz schön runter gezogen. War bisher noch nicht so deutlich angekommen. :-(
Am WE machte ich mich dann mit einem deutschen Bekannten auf den Weg eine – oder vielleicht besser, die einzige – Whiskey Hochburg in Buenos Aires zu entdecken. Anfangs war ich etwas skeptisch, da ich ja nicht die geringste Ahnung von dem Trank habe, aber ich verließ mich da mal auf meinen Bekannten, der unbedingt dorthin wollte. Also fuhren wir in ein Viertel etwas außerhalb, wo ich noch nie war und inmitten eines Wohnviertels fanden wir dann auch die Bar. Die Auswahl war gigantisch. Über 200 Sorten aus der ganzen Welt. Damit war ich natürlich völlig überfordert. Die meisten Namen konnte ich nicht mal aussprechen. Zum Glück enttäuschte mich mein Bekannter nicht und stellte sich als echter Kenner heraus. Nach kurzer Rücksprache suchte er für mich 2 perfekte Whiskeys aus, die mich fast dazu verleiten könnten, es öfter zu probieren. 




Anschließend nahmen wir noch einen Absacker in der Bar des Faena Hotels in Puerto Madero. Nicht, dass ich mir so was normalerweise leisten könnte, aber er wollte seinen Wagen abstellen und wohnt gegenüber. Da bot es sich an. Das Hotel Faena ist das Hotel, in dem in Buenos Aires die Reichen und Schönen absteigen und so sahen auch die Bar und die anwesenden Gäste aus. Da hab ich erst mal große Augen gemacht. Selbst in der Toilette. Die Papierhandtücher waren so dick, dass man fast glauben konnte, sie wären aus Stoff. Aufgrund der ebenfalls anwesenden Damen im Bad habe ich darauf verzichtet, ein paar davon für schlechte Zeiten einzupacken  :-D  Nach so einem dekadenten Abend gönnte ich mir ausnahmsweise ein Taxi nach Hause, da ich nicht die ganze Strecke bei der Kälte laufen wollte und nicht wusste, welche Busse fuhren.
Während der Woche war ich abends mehrfach in einem Kino, in dem es gerade das Madrid Cine Festival gibt. Jede Menge prämierter spanischer Filme. Teilweise sehr gute, wenn für mich manchmal auch mal wieder schwer zu verstehende Filme – allesamt ohne Happy End. Jedenfalls die, die ich gesehen habe. Da soll man mal keine Depressionen bekommen. ..
Samstag war ich mit einer US amerikanischen Bekannten und ihrem Freund auf einer Agrarmesse. Was tut man nicht alles, um sich zu bespaßen... War auch tatsächlich sehr lustig. Salami, Käse, Rinder, Schafe, Pferde, Katzen, Gauchos, Wein, Allrad-Wagen, Mähdrescher, etc. das volle Programm.  Und scheinbar der totale Publikumsrenner, denn es war super voll. Erstaunlich, dass in einer 14 Millionen Stadt so etwas auf so großes Interesse stößt. Aber selbst der arrogante Porteño ist irgendwo stolz auf seine „Gaucho-Herkunft“. 





Am Montag wurde es dann „maritim“ mit einem Besuch im Hafen und dem Museums Boot „Corbeta Uruguay“, dem ersten Metallschiff der argentinischen Marine, das mehrfach zur Suche von verschollenen Expeditionen in die Antarktis geschickt wurde (auch erfolgreich :-)). 








Mal sehen, womit ich mir dann nun noch die letzte Zeit vertreibe. Habe bereits bei meinen Bekannten hier einen Termin für einen gemeinsamen Abschiedstrunk angefragt, was mir viel Spott der Beteiligten eingebracht hat, da es so „un-argentinisch“ ist, so weit im voraus zu planen. Pah, ich muss mich ja bald wieder an deutsche Sitten gewöhnen.
Bis zum nächsten Mal
Britta

Montag, 16. Juli 2012


Wieder zurück in Buenos Aires ging es sofort weiter mit der Jobjagd. Am selben Tag als ich morgens früh aus San Jorge in Buenos Aires ankam, durfte ich mittags sofort zum 2. Vorstellungsgespräch bei der Firma, die mich damals schon in Iguazu angerufen hatte. Und danach war dann erst mal wieder Warten angesagt. Die Wartezeit vertrieb ich mir damit, möglichst viele Leute zu treffen, die verbliebenen Sightseeing  Punkte abzuklappern und mich durch jede Menge Cafés und Restaurants zu fressen. Es gibt Schlimmeres :-) , aber es war schon komisch, nicht zu wissen, was man im nächsten Monat macht…. Das Problem ist halt, dass die Firmen immer entweder wegen meines Spanischs Bedenken haben, oder dass ich nicht wirklich lange genug bleiben werde. Und ich bin immer zu dumm oder zu stur, einen imaginären Freund zu erfinden… Vielleicht bin ich für dieses Land einfach zu ehrlich. Wenn ich sehe, dass in 2 Wochen mir 3 Argentinier unabhängig voneinander unterschiedliche Dinge hoch und heilig versprochen haben und nicht einer hat es eingehalten, dann mag das sogar zutreffen… Zum Glück sind nicht alle so. Clau, mein Freitagsdate ist z. B. 100% zuverlässig. Vielleicht ist es auch nur ein kulturelles oder sprachliches Missverständnis. Um das zu reduzieren, habe ich noch mal eine Woche Spanischkurs gemacht. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht wenigstens mein Spanisch etwas auf Vordermann bringen kann, wenn ich schon keinen Job an Land ziehen kann…
Ansonsten habe ich nun den Congreso, wo ich so lange um die Ecke gewohnt habe, nun auch endlich mal von innen gesehen. 






Ich war im Evita Museum,



in dessen Café ich mich dann gleich von einer sehr netten österreichischen  Ex-Callcenter-Kollegin verabschiedet habe. Sie verlässt Argentinien und ihren Freund hier, da sie auch keinen ordentlichen Job findet. Des Weiteren standen noch diverse Kunstausstellungen, Märkte und Konzerte auf dem Plan. Auf ein gratis Open-Air Konzert bin ich durch ein Plakat irgendwo aufmerksam geworden.  Ich kannte zwar keine der Gruppen, aber es war gratis und ich konnte sogar einen anderen Deutschen dazu motivieren, mitzugehen. Obwohl wir uns knapp 4 Std. bei 12,5 Grad ganz schön den Hintern abgefroren haben, war das Konzert großartig. Die 4 Gruppen stellten sich alles als super bekannte argentinische Gruppen heraus, von denen ich jeweils mindestens 2-3 Lieder kannte und schon lange den Interpreten wissen wollte. Zum Schluss gesellte sich noch eine Schwedin zu uns und wir ließen den Abend zuerst in einer Bar und anschließend in einer „Pizzeria“ ausklingen. Es hat ewig gedauert, bis wir wieder warm waren. Glühwein wäre da ne tolle Sache gewesen, aber die Flasche Rotwein hat dann auch so irgendwann gewirkt. 






 
Tja, in der Woche sind dann auch die Würfel für mich gefallen. Leider nicht zu meinen Gunsten. Die Stelle wurde angeblich intern vergeben. Was nicht stimmt, wie ich von meinem Bekannten weiß. Man hat halt (wieder) eine Argentinierin eingestellt. Damit ist die Sache nun aber für mich auch abgeschlossen. In Südamerika käme höchstens noch Kolumbien für mich in Frage, da Chile zu langweilig, Brasilien nicht spanischsprachig und die anderen Länder entweder zu kalt sind oder keine Wirtschaft haben. Und in Kolumbien fängt es ja eigentlich erst an, dass ausländische Firmen wieder investieren, so dass da noch recht wenig Auswahl ist. Und die deutsche Außenhandelskammer hat sich leider tot gestellt. Mittelamerika ist weder wirtschaftlich noch sicherheitstechnisch vielversprechend, so dass nur noch Mexiko bleibt. Da war aber auch recht wenig im Angebot in letzter Zeit. Habe mich zwar auf ein, zwei Sachen beworben, aber die meisten Angebote sind im Norden, wo selbst ICH nicht hin will. Dazu kommt der gerade vollzogene Regierungswechsel, der auch erst mal nichts Gutes verspricht. Wie verhext, falsche Zeit, falscher Ort… Deshalb werde ich Ende des Monats in meinem Flieger Richtung Deutschland sitzen, so schwer es mir auch fällt…. :-(

Letzte Woche habe ich mich dann neben dem Spanischkurs mit den Freuden des Mietwohnens beschäftigt. Meine Vermieter sind ja zur Zeit in Deutschland und auf ihre Bitte hin, habe ich es dann auch geschafft, einen Termin mit einem neuen Internetprovider zu vereinbaren, der dann auch tatsächlich am Freitag aufgetaucht ist. Trotzdem scheint das Internet noch nicht viel besser geworden zu sein… Auch die verstopfte Toilette, ausgefallene Heizung, kein warmes und später gar kein Wasser, etc. haben wir erfolgreich gemeistert. Kaum sind die Vermieter weg…. Wir, das sind jetzt eine Argentinierin, ein Franzose + seine chilenische Freundin, die ständig bei uns ist und ich. In der Zeit musste ich auch feststellen, dass offensichtlich die italienischen und deutschen Ansichten bezüglich Sauberkeit und Ordnung wesentlich kompatibler sind, als die deutsch-, franco-argentinischen…. Und ich bin sicher nicht pingelig. Aber bei meiner vorherigen italienischen Mitbewohnerin hat mich morgens beim Betreten der Küche nie der Schlag getroffen. Jetzt erwartet mich regelmäßig ein Schlachtfeld des (für mich) nächtlichen Abendessens. :-) Ja, andere Länder, andere Sitten… Stimmt immer wieder. Das sehe ich auch gerade in diesem Moment, in dem ich dies schreibe. Ich sitze in einem Café im noblen Recoleta bei meinem täglichen Café con leche und beobachte die Leute. Am Tisch neben mir sitzt ein älteres Ehepaar. Sie im Pelz mit einer schlechten Lippen-OP und vor lauter Botox keine Mimik. Am anderen Tisch werden gerade Vorstellungsgespräche abgehalten – sehr informell und auf persönlicher Ebene – und wenn ich gleich wieder vor die Tür gehe, begegne ich bestimmt wieder dem barfuß laufenden Obdachlosen, dessen Kleidung aus Mülltüten besteht, und der sich sein Essen aus den Mülleimern zusammen sucht. Oder ich kann wieder den ein oder anderen Diebstahl beobachten, wie in den letzten Tagen. Weiß nicht, ob ich da mittlerweile einfach sensibler geworden bin oder ob die Diebstähle wirklich zugenommen haben. Die Schere zwischen arm und reich wird auf jeden Fall immer größer. 
Nun denn, einen Blog-Eintrag gibt es sicher noch. 
Bis dahin liebe Grüße
Britta

Mittwoch, 27. Juni 2012



Nach der Wiedergewinnung meiner Freiheit begab ich mich sonntags direkt auf Reisen. Erster Stopp war, nach 19,5 Std. Busfahrt, Puerto Iguazu. Ich schlief im kalten trockenen Buenos Aires ein und wachte morgens im Bezirk Missiones auf. Über allem lag dichter Nebel, es war verregnet und die Straßen waren voll mit rotem Schlamm. Aber es war überall unglaublich grün und die Sonne kam kurze Zeit später raus. Ich besuchte sofort die argentinische Seite der Wasserfälle. Auch wenn ich sie schon mal gesehen habe, der Anblick ist immer wieder umwerfend und beeindruckend.




 Zusätzliche Bonbons waren, dass ich dank meiner argentinischen DNI (Ausweis) nur 50 statt 130 Pesos zahlen musste und, dass außer einer japanischen Reisegruppe nur relativ wenige Touristen im Park waren.  Dafür dieses Mal umso mehr neugierige Nasenbären. 



Ich lief alle Wanderwege ab und machte eine Schlauchboot-Tour durch die Nebenflüsse, bei der ich auch wieder Tukane und Kaimane sehen konnte. Nach diesem sehr netten Start saß ich also abends in einem Cafe und gerade als sich echte „Urlaubsstimmung“ einstellen wollte, schaue ich auf mein Handy und sehe, dass ich einen Anruf verpasst habe. Nach Abhören der Mailbox wusste ich, dass es sich um eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch handelte. Damit begann ein 2tägiges Martyrium und die Urlaubsstimmung war natürlich vorbei. Den Rest des Abends versuchte ich,  die Firma zu erreichen, aber vergeblich. Meinen Frust ertränkte ich dann in einem Restaurant, dass ich noch vom letzten Mal kannte, in einem Liter Bier und teilte meinen vegetarischen Burger redlich mit 2 Straßenkindern. Der nächste Tag konnte mir gar nicht schnell genug starten und ich rief die Firma von 8-10 Uhr im 10 Minuten Takt an, hinterließ 3 Sprachnachrichten, aber nix tat sich. Also fuhr ich zur brasilianischen Seite der Wasserfälle. 




Auch die Seite ist immer wieder sehenswert aber so richtig genießen konnte ich es nicht. Irgendwann sah ich dann, dass die Firma versucht hatte mich anzurufen (natürlich in den 5  min in denen ich das Handy nicht in der Hand hatte…). Leider konnte ich weder die Nachricht abhören, noch zurück rufen, da mein Handy in Brasilien nicht funktioniert, bzw. ich zu wenig auf meiner Prepaidkarte hatte. Dann ist zu allem Übel das Handy noch komplett ausgefallen. Ist einfach ausgegangen ohne irgendeinen Grund und ließ sich weder mit Flehen, Fluchen noch Schlägen dazu bewegen sich wieder einzuschalten. . Ich konnte also nur noch der Rückfahrt entgegenfiebern. Zurück in Argentinien habe ich dann das blöde Ding wieder ans Laufen bekommen und mal wieder x Mal versucht die Firma zu erreichen (nachdem ich erst mal eine halbe Stunde warten musste, bis mein Handy bereit war vom brasilianischen auf das argentinische Netz umzuschalten). Irgendwann hat es dann tatsächlich geklappt und ich konnte einen Termin für das Gespräch am nächsten Tag ausmachen. Glücklich die erste Hürde genommen zu haben, wollte ich mich auf das Gespräch vorbereiten bzw. herausfinden, wie ich am Besten oder Schnellsten zu der Firma komme, da sie nicht direkt in Bs As liegt. In dem Moment fiel in ganz Puerto Iguazu das Internet aus. Manchmal habe ich das Gefühl jemand hat was gegen meine Pläne hier zu bleiben oder nur im Allgemeinen gegen mich. Wenigstens der Bus fuhr abends pünktlich zurück nach Buenos Aires. Am nächsten Tag war ich dann um 13 Uhr zurück und hatte gerade mal genug Zeit zu duschen, mich bewerbungsfein zu machen, fest zu stellen, dass die Firma am Arsch der Welt liegt, mit dem Bus 1,5 Std. zu fahren, an der falschen Haltestelle rausgeschickt zu werden, ein Taxi zu finden und punktgenau zum Gespräch zu erscheinen . Das Gespräch war auch echt gut. Haken waren wie immer die Bedenken, ob ich wirklich länger bleiben werde. Echt anstrengend. Wie soll man eine Firma davon überzeugen? Schön ist ja, dass man hier direkt ein solches Feedback bekommt. Mal abwarten, ob ich wenigstens in die 2. Runde komme. Viel Zeit habe ich ja nicht mehr….
Donnerstag ging es dann morgens gleich weiter mit der Reise (Deshalb hatte ich ja so einen Druck das Gespräch am Mittwoch noch zu schaffen). Um 8 Uhr hob mein Flieger nach Salta im Norden Argentiniens ab. Nach einem entspannten Flug mit einem super Blick auf das Bergmassiv landete ich in Salta und machte mich direkt an die Erkundung der Stadt. 





Ich war zwar schon mal dort, konnte mich aber überhaupt nicht mehr an diese Stadt erinnern. Ich hatte immer mal wieder schemenhafte Flashbacks wie auf dem Teleferico (der Kabelbahn die auf einen Berg hinauffährt, von dem man einen super Blick auf die ganze Stadt hat) oder in einem Museum. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, wir waren damals auch nur einen Tag in Salta. Dieses Mal habe ich sie mir genauer angeschaut und auch noch ein paar Touren in die Umgebung gebucht. Um 18:30 h hab ich mich dann sehr hungrig und müde zur Partymeile geschleppt, um etwas zu essen zu finden. Aber die ganze Straße, die eine Anreihung von tollen Restaurants, Bars und Discos ist, war noch komplett geschlossen oder gerade im Öffnen begriffen. Ein Laden hatte aber zum Glück durchgehend offen und ich musste nicht Hungers sterben. Alle anderen im Cafe waren gerade mal bei der „Merienda“ mit Kaffee und Medialunas oder so etwas in der Art. Ich war die Einzige, die sich schon das Abendessen gönnte. Vor 22 Uhr fangen die Argentinier damit nicht an. Etwas, woran ich mich auch nach 6 Monaten noch nicht gewöhnt habe. Am Freitag machte ich dann einen Ausflug zu den Salinas Grandes. Das ist eine Salzwüste ähnlich wie Uyuni in Bolivien (was ja auch quasi um die Ecke liegt) nur viel kleiner. Auf dem Weg dorthin hatten wir jede Menge Stopps in netten, kleinen Bergdörfern. In einem besichtigten wir ein winziges, aber sehr nettes Museum das hauptsächlich die Kultur eines präkolumbianischen Volkes behandelte, ein Minendorf im Altiplano in dem wir trotz aller Fleece- und Windjacken gefroren haben wie die Schneider (auf 4.000 m) und schließlich Purmamarca mit seinen mehrfarbigen Gesteinsformationen und einem netten Markt. Der Rest der Gruppe blieb dort über Nacht und ich fuhr mit unserem Guide zurück nach Salta. Unser Guide war ein sehr witziger Salteño, der sich tatsächlich 4 Sprachen mit Hilfe von Sprachbüchern und CDs selbst beigebracht hat. Darunter auch Deutsch, das er sehr gut sprach. Sein Soundtrack zu unserer Tour enthielt auch die volle Bandbreite deutscher 80er Jahre Musik. Er hatte alles: Nena, Sandra, Falco, Boney M, Opus, etc. Auf der 2stündigen Heimfahrt versuchte er mich dann davon zu überzeugen, dass ich einen spanischsprachigen Freund brauche, der mich verbessern kann, und er eine deutsch sprechende Freundin, die ihn verbessert…. :-)









Am Samstag gab es dann die nächste Tour nach Cachi. Wieder mit dem Auto und vielen Panorama-Stopps durch nette Bergdörfer und einen Kaktuspark.







Zurück in Salta fand dann abends leider nicht der Beginn eines großen Gauchofestes statt, das beide Guides angekündigt hatten, was ein wenig enttäuschend war. Hätte mir gerne eine Ansammlung von traditionell gekleideten Gauchos und Feuerwerk und Paraden zu Ehren des Todestages des Befreiers Güemes angeschaut. Aber das startete erst am Sonntag und da war ich schon lange unterwegs nach Tilcara. Die Busse dorthin fahren leider nur um 0:30 oder um 7.15. Tilcara ist ein kleines typisches „Andenörtchen“, das vom Tourismus lebt, auch wenn es nicht in den Anden liegt. Die Einwohner sind entweder argentinische Hippies oder indigener Abstammung. Nach meiner Ankunft am frühen Morgen musste ich erst mal mit meinem kleinen Trolley durch den ganzen Ort über die Schotterpiste rollern und kam mir vor, wie ein Zootier, da ich hier raussteche wie ein Pickel. Erst später am Tag kamen die ganzen, meist französischen, Touristen aus ihren Löchern gekrochen, so dass ich mir nicht mehr ganz so exotisch vorkam. Nach 2 Tagen „Kaffeefahrten“ konnte ich mich endlich noch einmal selbst bewegen Endlich wieder laufen und nicht nur den Hintern im Auto platt sitzen.  (Das ich das mal sagen würde…:-)) Ich habe mich also gleich auf die Wanderung begeben zu den Pucara, den Ruinen eines präkolumbianischen Dorfes und dann weiter zur Schlucht „Garganta del Diablo“. Insgesamt ca. 15 km auf 3.000 m Höhe. Danach hatte ich dann aber auch erst mal wieder dicke Füße. 






Bei den Gemsenwegen  und den steilen Abhängen auf der Wanderung musste ich dann doch auch des Öfteren daran denken, dass ich gerade nicht mehr krankenversichert bin… Sollte ich jemals verloren gehen, sucht mich erst mal auf den entlegensten Trampelpfaden, die Ihr finden könnt…  Nach einem super Abendessen (hier gibt es ja endlich auch mal was anderes als Fleisch, fiese Pizza oder geschmacklose Nudeln) bin ich dann aber auch nur noch ins Bett gefallen und habe gehörig gefroren. Da wir auf knapp 3.000 m Höhe sind, ist es morgens und abends/nachts saukalt und tagsüber hab ich ordentlich geschwitzt und mir nen Sonnenbrand geholt.  Was hier ganz witzig war, ist, dass keiner Zweifel daran hat, dass ich Argentinierin bin. Werde nie gefragt, aus welchem Land ich denn bin, sondern von wo aus dem Süden. Weder der Kassierer aus den Ruinen (wieder nur halber Preis :-)) noch die Hippies, noch der betrunkene Typ der mich auf der Straße voll gelabert hat, wäre darauf gekommen, dass ich nicht aus Argentinien bin. Das hält aber nur solange an, bis ich länger reden muss. Dann ist die schöne Tarnung natürlich dahin. Schade eigentlich…
Am nächsten Tag ging es mit dem Klapperbus zum nächsten Bergdorf Humahuaca. Sehr nett und idyllisch gelegen bis die Touribusse anrollen. Ich bin zuerst mal zur Aussichtsplattform gelaufen und dort war es so einsam und so ruhig, dass es sogar mir schon unheimlich wurde. Nicht mal Vogelgezwitscher, einfach absolute Stille… Also habe ich mich wieder zurück in den Trubel des Ortes begeben und was sehe ich dort auf dem Markt? Ein Stück Heimat… (auch noch in der 2. Liga…) 



Oben auf dem Monument der Unabhängigkeitshelden hab ich mich dann noch eine ganze Zeit gut mit ein paar argentinischen Hippies unterhalten und so zutexten lassen, dass ich ihnen sogar ein Paar Ohrringe abgekauft habe. (Und da sag noch einer Hippies hätten keine Ahnung von Marketing J) Bevor sie mir aber auch noch Dreadlocks verpassen konnten, hab ich mich dann verabschiedet und bin wieder zurück nach Tilcara, wo ich meinen Koffer eingelagert hatte, und dann zurück nach Salta. Am Busbahnhof habe ich dann gleich ein Ticket für den nächsten Tag Richtung Paraguay erstanden. Ich sage Richtung, da es mich nur bis Formosa an der Grenze zu Paraguay brachte. Die bisher schlimmste Busfahrt mit 18 Std . Ich hatte ganz vergessen, wie das ist, wenn die Busse an jeder Milchkanne anhalten und das auch über Nacht. Licht an, Lärm, Licht aus, weiterfahren, halbe Stunde später wieder Licht an, Lärm, Licht aus, weiterfahren… Außerdem mal wieder runter gekühlt bis zum letzten, überfüllt und furchtbare Filme in voller Lautstärke. Ich hatte es so vermisst... Um 08:30 landete ich also etwas zerknittert in Formosa, kaufte mir mein Ticket nach Asunción 4 Std. später und suchte mir erst mal Frühstück. Es gelang mir sogar ein Käsesandwich ohne Schnitzel oder Schinken aufzutreiben. Endlich kein Süßkram!! Dass ich auch das mal sagen würde… Aber ich kann nix Süßes mehr sehen. Frühstück besteht hier ja, wenn überhaupt, höchstens aus Medialunas (einer Art süßem Croissant) & evtl. Brot mit Dulce de leche (einer an sich leckeren Karamellcreme; quasi das Nutella Argentiniens). Aber das jeden Tag lässt einem mit Sicherheit  irgendwann die Zähne ausfallen oder man entwickelt eine schwere Diabetes.
Der Grenzübergang zu Paraguay war entspannt und auch mein Hostel fand ich problemlos mit Hilfe der Ansage der Jungs aus dem Stadtbus, wann ich aussteigen musste. Für Asunción  hatte ich leider nur ein paar Stunden, aber das reichte auch irgendwie. Es war wie ausgestorben. Ich war froh dass ich noch etwas zum Abendessen fand, denn gegen 19:30 wurden überall die Bürgersteige hochgerollt. Ich kann mich erinnern das Asunción tot war, aber so…? Den Grund dafür erfuhr ich dann am nächsten Tag bei Sabine und Thomas. Es lief gerade der Prozess der Abwahl des paraguayischen Präsidenten. Deshalb blieb wohl alles drinnen.
Aber um zu den Beiden zu gelangen, musste ich erst mal am nächsten Morgen um 6 Uhr den NASA Bus nach Filadelfia nehmen.  Nach 8 Stunden über die Transchaco Straße war ich dann endlich am Ziel nach insgesamt 48 Std. von Salta bis Filadelfia. Dort wurde ich dann nicht nur sehr herzlich von Sabine und Thomas empfangen, sondern auch von ihren 2 Hunden, 5 Katzen, 5 Papageien, 5 Wasser- und diverse Landschildkröten und natürlich nicht zu vergessen Bubi, dem Wasserschwein. Bubi ist der absolute Hammer. Stellt Euch ein Meerschweinchen mit ca. 60 kg oder mehr auf der Couch vor. Leider nicht ganz so kuschlig wie ein Meerschwein, dafür aber umso lustiger.





Am ersten Tag war vom legendären heißen Chaco leider nichts zu merken, so dass wir den Tag drinnen verbrachten.  Anstelle der sonst gängigen 40 Grad und brennender Hitze, herrschte gerade tatsächlich mal Winter mit 16 Grad und Regen, was denn auch direkt die umliegenden Straßen in Schlammpisten verwandelte. Am nächsten Tag war es aber wieder sonnig und warm, so dass wir zur Estancia fahren konnten. Dort erwartete uns eine riesige Herde Rinder, noch mehr Hunde, Katzen, Schweine, Ziegen und Pferde. Alles im Trockenwald und mit jeder Menge Naturschutzgebiet, da jeder Besitzer hier 1/3 seiner Farm als Naturschutzgebiet belassen muss. Sabine und Thomas haben 2/3 des Land unberührt gelassen, so dass wir viel Fläche hatten, auf der wir fleißig nach Tieren Ausschau halten und rum wandern konnte. Es gab auch jede Menge Spuren von Pumas und Tapiren, aber leider hat sich keiner gezeigt. Auch kein Jaguar, der hier in der Gegend durchaus noch gängig ist. War trotzdem toll dort und wir hatten viel Spaß beim Barbecue über dem Lagerfeuer mit der Familie, die auf der Estancia arbeitet. Natürlich war ich als „argentinischer“ Vegetarier das Hauptziel des Spotts. Da es dort keinen Strom gibt, konnten wir auch ausgiebig den unglaublichen Sternenhimmel der Südhalbkugel bewundern, der mich schon in Australien immer wieder fasziniert hat. Die Faszination hielt aber bei allen nur so lange an, bis uns die Kälte die unweigerlich mit der Dunkelheit kommt, so langsam in die Betten trieb. Das war so gegen 21:30 Uhr. Tja, das gesunde Landleben :-)





Der Präsident war am Freitag tatsächlich mit großer Mehrheit abgewählt worden, aber zum Glück blieb es im Land ruhig. Lediglich die linken Nachbarländer (Argentinien, Venezuela, Bolivien, etc.) regten sich auf, dass es ein unrechter Staatsstreich gewesen wäre.
Den Samstag verbrachten wir den halben Tag auf der Estancia und den Rest in Filadelfia. Ich fand es auf jeden Fall faszinierend,  was die zwei alles über Natur hier wissen und mit wie viel Liebe sie an alles rangehen, sowohl die Viehzucht, als auch ihre Umwelt- und Filmprojekte.
Sonntag machten wir noch einen Ausflug in die nähere Umgebung  zu ehemaligen Salzlagunen, die sich allerding durch die Regenfälle der letzten Monate zu Süßwasserseen gewandelt haben. Das gilt auch für die umliegenden Viehweiden, die jetzt wohl für mindestens ein Jahr unter Wasser stehen.



 Trotzdem hat sich der Ausflug besonders gelohnt. Wir haben Kaimane und Wasserschlangen in einem „Badesee“ gesehen („Die tun nix und sind auch nur leicht giftig…“), jede Menge Wasservögel, einen Ameisenbär, Gürteltiere und als wir schon wieder zuhause in Filadelfia waren, konnten wir auch noch wilde Affen im Garten mit Bananen füttern. Was für ein Tag. Unglaublich! 







Sonntag Abend hieß es dann wieder Abschied nehmen und raus aus der deutschen Mennoniten Kolonie, zurück in die Zivilisation. In Bussen und Stunden heißt das: 8 Stunden von Filadelfia nach Asunción, 5 Std. von Asunción bis Resistencia, 8 Std. von Resistencia bis Santa Fe, dort ein paar Stunden in einer Bahnhofsabsteige pennen und am nächsten Morgen 3 weitere Std. im Bus bis nach San Jorge, wo mich Martin abholte.  Martin ist ein argentinischer Triathlet, den wir damals auf der Reise kennen gelernt hatten, und der professionell Ironman läuft, schwimmt und radelt. Er zeigte mir seinen Heimatort und wir verbrachten viel Zeit mit seinen Freunden und Mate trinken. 




Nach so viel Entspannung bin ich jetzt wieder zuhause in Buenos Aires angekommen.

LG
Britta