Wieder zurück in Buenos Aires ging es sofort weiter mit der Jobjagd. Am selben Tag als ich morgens früh aus San Jorge in Buenos Aires ankam,
durfte ich mittags sofort zum 2. Vorstellungsgespräch bei der Firma, die mich
damals schon in Iguazu angerufen hatte. Und danach war dann erst mal wieder
Warten angesagt. Die Wartezeit vertrieb ich mir damit, möglichst viele Leute zu
treffen, die verbliebenen Sightseeing
Punkte abzuklappern und mich durch jede Menge Cafés und Restaurants zu
fressen. Es gibt Schlimmeres :-) , aber es war schon komisch, nicht zu wissen, was man im nächsten Monat
macht…. Das Problem ist halt, dass die Firmen immer entweder wegen meines
Spanischs Bedenken haben, oder dass ich nicht wirklich lange genug bleiben
werde. Und ich bin immer zu dumm oder zu stur, einen imaginären Freund zu
erfinden… Vielleicht bin ich für dieses Land einfach zu ehrlich. Wenn ich sehe,
dass in 2 Wochen mir 3 Argentinier unabhängig voneinander unterschiedliche
Dinge hoch und heilig versprochen haben und nicht einer hat es eingehalten,
dann mag das sogar zutreffen… Zum Glück sind nicht alle so. Clau, mein
Freitagsdate ist z. B. 100% zuverlässig. Vielleicht ist es auch nur ein
kulturelles oder sprachliches Missverständnis. Um das zu reduzieren, habe ich
noch mal eine Woche Spanischkurs gemacht. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht
wenigstens mein Spanisch etwas auf Vordermann bringen kann, wenn ich schon
keinen Job an Land ziehen kann…
Ansonsten habe ich nun den Congreso, wo ich so lange um die Ecke
gewohnt habe, nun auch endlich mal von innen gesehen.
Ich war im Evita Museum,
in dessen Café ich mich dann gleich von einer sehr netten österreichischen Ex-Callcenter-Kollegin verabschiedet habe.
Sie verlässt Argentinien und ihren Freund hier, da sie auch keinen ordentlichen
Job findet. Des Weiteren standen noch diverse Kunstausstellungen, Märkte und
Konzerte auf dem Plan. Auf ein gratis Open-Air Konzert bin ich durch ein Plakat
irgendwo aufmerksam geworden. Ich kannte
zwar keine der Gruppen, aber es war gratis und ich konnte sogar einen anderen
Deutschen dazu motivieren, mitzugehen. Obwohl wir uns knapp 4 Std. bei 12,5
Grad ganz schön den Hintern abgefroren haben, war das Konzert großartig. Die 4
Gruppen stellten sich alles als super bekannte argentinische Gruppen heraus,
von denen ich jeweils mindestens 2-3 Lieder kannte und schon lange den
Interpreten wissen wollte. Zum Schluss gesellte sich noch eine Schwedin zu uns
und wir ließen den Abend zuerst in einer Bar und anschließend in einer
„Pizzeria“ ausklingen. Es hat ewig gedauert, bis wir wieder warm waren.
Glühwein wäre da ne tolle Sache gewesen, aber die Flasche Rotwein hat dann auch
so irgendwann gewirkt.
Tja, in der Woche sind dann auch die Würfel für mich gefallen. Leider nicht
zu meinen Gunsten. Die Stelle wurde angeblich intern vergeben. Was nicht
stimmt, wie ich von meinem Bekannten weiß. Man hat halt (wieder) eine
Argentinierin eingestellt. Damit ist die Sache nun aber für mich auch
abgeschlossen. In Südamerika käme höchstens noch Kolumbien für mich in Frage,
da Chile zu langweilig, Brasilien nicht spanischsprachig und die anderen Länder
entweder zu kalt sind oder keine Wirtschaft haben. Und in Kolumbien fängt es ja
eigentlich erst an, dass ausländische Firmen wieder investieren, so dass da
noch recht wenig Auswahl ist. Und die deutsche Außenhandelskammer hat sich
leider tot gestellt. Mittelamerika ist weder wirtschaftlich noch
sicherheitstechnisch vielversprechend, so dass nur noch Mexiko bleibt. Da war
aber auch recht wenig im Angebot in letzter Zeit. Habe mich zwar auf ein, zwei
Sachen beworben, aber die meisten Angebote sind im Norden, wo selbst ICH nicht
hin will. Dazu kommt der gerade vollzogene Regierungswechsel, der auch erst mal nichts Gutes verspricht. Wie verhext, falsche Zeit, falscher Ort… Deshalb werde
ich Ende des Monats in meinem Flieger Richtung Deutschland sitzen, so schwer es
mir auch fällt…. :-(
Letzte Woche habe ich mich dann neben dem Spanischkurs mit den Freuden des
Mietwohnens beschäftigt. Meine Vermieter sind ja zur Zeit in Deutschland und
auf ihre Bitte hin, habe ich es dann auch geschafft, einen Termin mit einem neuen
Internetprovider zu vereinbaren, der dann auch tatsächlich am Freitag
aufgetaucht ist. Trotzdem scheint das Internet noch nicht viel besser geworden
zu sein… Auch die verstopfte Toilette, ausgefallene Heizung, kein warmes und
später gar kein Wasser, etc. haben wir erfolgreich gemeistert. Kaum sind die
Vermieter weg…. Wir, das sind jetzt eine Argentinierin, ein Franzose + seine
chilenische Freundin, die ständig bei uns ist und ich. In der Zeit musste ich
auch feststellen, dass offensichtlich die italienischen und deutschen Ansichten
bezüglich Sauberkeit und Ordnung wesentlich kompatibler sind, als die deutsch-,
franco-argentinischen…. Und ich bin sicher nicht pingelig. Aber bei meiner
vorherigen italienischen Mitbewohnerin hat mich morgens beim Betreten der Küche
nie der Schlag getroffen. Jetzt erwartet mich regelmäßig ein Schlachtfeld des
(für mich) nächtlichen Abendessens. :-) Ja, andere Länder, andere Sitten… Stimmt immer wieder. Das sehe ich auch
gerade in diesem Moment, in dem ich dies schreibe. Ich sitze in einem Café im
noblen Recoleta bei meinem täglichen Café con leche und beobachte die Leute. Am
Tisch neben mir sitzt ein älteres Ehepaar. Sie im Pelz mit einer schlechten
Lippen-OP und vor lauter Botox keine Mimik. Am anderen Tisch werden gerade
Vorstellungsgespräche abgehalten – sehr informell und auf persönlicher Ebene –
und wenn ich gleich wieder vor die Tür gehe, begegne ich bestimmt wieder dem
barfuß laufenden Obdachlosen, dessen Kleidung aus Mülltüten besteht, und der
sich sein Essen aus den Mülleimern zusammen sucht. Oder ich kann wieder den ein
oder anderen Diebstahl beobachten, wie in den letzten Tagen. Weiß nicht, ob ich
da mittlerweile einfach sensibler geworden bin oder ob die Diebstähle wirklich
zugenommen haben. Die Schere zwischen arm und reich wird auf jeden Fall immer
größer.
Nun denn, einen Blog-Eintrag gibt es sicher noch.
Bis dahin liebe Grüße
Britta
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