Montag, 16. Juli 2012


Wieder zurück in Buenos Aires ging es sofort weiter mit der Jobjagd. Am selben Tag als ich morgens früh aus San Jorge in Buenos Aires ankam, durfte ich mittags sofort zum 2. Vorstellungsgespräch bei der Firma, die mich damals schon in Iguazu angerufen hatte. Und danach war dann erst mal wieder Warten angesagt. Die Wartezeit vertrieb ich mir damit, möglichst viele Leute zu treffen, die verbliebenen Sightseeing  Punkte abzuklappern und mich durch jede Menge Cafés und Restaurants zu fressen. Es gibt Schlimmeres :-) , aber es war schon komisch, nicht zu wissen, was man im nächsten Monat macht…. Das Problem ist halt, dass die Firmen immer entweder wegen meines Spanischs Bedenken haben, oder dass ich nicht wirklich lange genug bleiben werde. Und ich bin immer zu dumm oder zu stur, einen imaginären Freund zu erfinden… Vielleicht bin ich für dieses Land einfach zu ehrlich. Wenn ich sehe, dass in 2 Wochen mir 3 Argentinier unabhängig voneinander unterschiedliche Dinge hoch und heilig versprochen haben und nicht einer hat es eingehalten, dann mag das sogar zutreffen… Zum Glück sind nicht alle so. Clau, mein Freitagsdate ist z. B. 100% zuverlässig. Vielleicht ist es auch nur ein kulturelles oder sprachliches Missverständnis. Um das zu reduzieren, habe ich noch mal eine Woche Spanischkurs gemacht. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht wenigstens mein Spanisch etwas auf Vordermann bringen kann, wenn ich schon keinen Job an Land ziehen kann…
Ansonsten habe ich nun den Congreso, wo ich so lange um die Ecke gewohnt habe, nun auch endlich mal von innen gesehen. 






Ich war im Evita Museum,



in dessen Café ich mich dann gleich von einer sehr netten österreichischen  Ex-Callcenter-Kollegin verabschiedet habe. Sie verlässt Argentinien und ihren Freund hier, da sie auch keinen ordentlichen Job findet. Des Weiteren standen noch diverse Kunstausstellungen, Märkte und Konzerte auf dem Plan. Auf ein gratis Open-Air Konzert bin ich durch ein Plakat irgendwo aufmerksam geworden.  Ich kannte zwar keine der Gruppen, aber es war gratis und ich konnte sogar einen anderen Deutschen dazu motivieren, mitzugehen. Obwohl wir uns knapp 4 Std. bei 12,5 Grad ganz schön den Hintern abgefroren haben, war das Konzert großartig. Die 4 Gruppen stellten sich alles als super bekannte argentinische Gruppen heraus, von denen ich jeweils mindestens 2-3 Lieder kannte und schon lange den Interpreten wissen wollte. Zum Schluss gesellte sich noch eine Schwedin zu uns und wir ließen den Abend zuerst in einer Bar und anschließend in einer „Pizzeria“ ausklingen. Es hat ewig gedauert, bis wir wieder warm waren. Glühwein wäre da ne tolle Sache gewesen, aber die Flasche Rotwein hat dann auch so irgendwann gewirkt. 






 
Tja, in der Woche sind dann auch die Würfel für mich gefallen. Leider nicht zu meinen Gunsten. Die Stelle wurde angeblich intern vergeben. Was nicht stimmt, wie ich von meinem Bekannten weiß. Man hat halt (wieder) eine Argentinierin eingestellt. Damit ist die Sache nun aber für mich auch abgeschlossen. In Südamerika käme höchstens noch Kolumbien für mich in Frage, da Chile zu langweilig, Brasilien nicht spanischsprachig und die anderen Länder entweder zu kalt sind oder keine Wirtschaft haben. Und in Kolumbien fängt es ja eigentlich erst an, dass ausländische Firmen wieder investieren, so dass da noch recht wenig Auswahl ist. Und die deutsche Außenhandelskammer hat sich leider tot gestellt. Mittelamerika ist weder wirtschaftlich noch sicherheitstechnisch vielversprechend, so dass nur noch Mexiko bleibt. Da war aber auch recht wenig im Angebot in letzter Zeit. Habe mich zwar auf ein, zwei Sachen beworben, aber die meisten Angebote sind im Norden, wo selbst ICH nicht hin will. Dazu kommt der gerade vollzogene Regierungswechsel, der auch erst mal nichts Gutes verspricht. Wie verhext, falsche Zeit, falscher Ort… Deshalb werde ich Ende des Monats in meinem Flieger Richtung Deutschland sitzen, so schwer es mir auch fällt…. :-(

Letzte Woche habe ich mich dann neben dem Spanischkurs mit den Freuden des Mietwohnens beschäftigt. Meine Vermieter sind ja zur Zeit in Deutschland und auf ihre Bitte hin, habe ich es dann auch geschafft, einen Termin mit einem neuen Internetprovider zu vereinbaren, der dann auch tatsächlich am Freitag aufgetaucht ist. Trotzdem scheint das Internet noch nicht viel besser geworden zu sein… Auch die verstopfte Toilette, ausgefallene Heizung, kein warmes und später gar kein Wasser, etc. haben wir erfolgreich gemeistert. Kaum sind die Vermieter weg…. Wir, das sind jetzt eine Argentinierin, ein Franzose + seine chilenische Freundin, die ständig bei uns ist und ich. In der Zeit musste ich auch feststellen, dass offensichtlich die italienischen und deutschen Ansichten bezüglich Sauberkeit und Ordnung wesentlich kompatibler sind, als die deutsch-, franco-argentinischen…. Und ich bin sicher nicht pingelig. Aber bei meiner vorherigen italienischen Mitbewohnerin hat mich morgens beim Betreten der Küche nie der Schlag getroffen. Jetzt erwartet mich regelmäßig ein Schlachtfeld des (für mich) nächtlichen Abendessens. :-) Ja, andere Länder, andere Sitten… Stimmt immer wieder. Das sehe ich auch gerade in diesem Moment, in dem ich dies schreibe. Ich sitze in einem Café im noblen Recoleta bei meinem täglichen Café con leche und beobachte die Leute. Am Tisch neben mir sitzt ein älteres Ehepaar. Sie im Pelz mit einer schlechten Lippen-OP und vor lauter Botox keine Mimik. Am anderen Tisch werden gerade Vorstellungsgespräche abgehalten – sehr informell und auf persönlicher Ebene – und wenn ich gleich wieder vor die Tür gehe, begegne ich bestimmt wieder dem barfuß laufenden Obdachlosen, dessen Kleidung aus Mülltüten besteht, und der sich sein Essen aus den Mülleimern zusammen sucht. Oder ich kann wieder den ein oder anderen Diebstahl beobachten, wie in den letzten Tagen. Weiß nicht, ob ich da mittlerweile einfach sensibler geworden bin oder ob die Diebstähle wirklich zugenommen haben. Die Schere zwischen arm und reich wird auf jeden Fall immer größer. 
Nun denn, einen Blog-Eintrag gibt es sicher noch. 
Bis dahin liebe Grüße
Britta

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