Alaaf und Helau an alle. Ich hoffe, Ihr habt die ersten Karnevalstage schon
ordentlich gefeiert und habt noch genügend Energie für die kommenden Tage.
Nachdem ich mir gestern Nacht dann doch etwas wehmütig die Fotos vom Kölner
Alter Markt online angeschaut habe, werde ich am WE wohl hoffentlich auch noch
mal in den Genuss des lateinamerikanischen Karnevals kommen.
Aber alles der Reihe nach. In der ersten Februarwoche ist eigentlich wenig
Spektakuläres passiert. Außer, dass ich mich auf einige Jobangebote im Internet
online bewerben konnte, gibt es jobtechnisch nichts zu berichten. Die
Highlights waren eher ein Besuch im Kino in Puerto Madero, der sich ungewollt
in die Länge zog, da uns ein derartiger Wolkenbruch im Gebäude gefangen hielt,
dass man es nicht über die Straße schaffte ohne weggeschwemmt zu werden. Zuerst
überlegten wir, noch einen Film zu gucken, aber da uns das Angebot nicht
überzeugte, wagten wir den Ortswechsel immer an der Wand lang zum Restaurant im
Nebenhaus. Dort blieben wir dann, bis man sich langsam wieder vor die Tür
trauen und ein Taxi ergattern konnte. Für die Subte (U-Bahn) war es schon zu
spät (die schließt ja großstadtmäßig um 22:45 Uhr ihre Pforten). Die hätte uns
allerdings eh nicht viel geholfen, da sie vollgelaufen war :-) In der Woche
darauf bin ich auch noch mal auf dem Nachhauseweg in einen ähnlichen Regenguss
gekommen. Da war es allerdings ich hatte danach eh nix mehr vor. Innerhalb von
5 Minuten war ich triefend nass und durfte durch knöcheltiefe Bäche steigen.
War aber eine sehr witzige Erfahrung und bei den Temperaturen auch echt
erfrischend.
Ansonsten war ich auf einer privaten Weinprobe, bei Delphine, einer sehr
netten Französin (ja, das gibt es ;-)) ),
hab mit Regi und Claudia ein paar
Kneipen unsicher gemacht, war mit Maria noch mal in La Boca und wir haben den
Gaucho-Nachtmarkt in Matadores besucht. Das ist der Markt auf dem ich schon mal
sonntags Nachmittags war und er dann nicht stattgefunden hat. Im Sommer ist er Samstag
Nachts. War ganz nett mit einigen Kunsthandwerkständen, vielen Fressständen und
Grills und diversen Folklorevorführungen. Da wir damit aber noch nicht ganz
ausgelastet waren, leisteten wir der Einladung einer Österreicherin Folge und
fanden uns gegen 23 in ihrer Wohnung ein, wo wir und noch 4 argentinische
Mädels uns mit Wein und Snacks auf die folgende Disconacht einstimmten (ja,
wieder bis 5:30 Uhr...). Hier konnte ich dann mal sehen, wie echte Expats
leben. 15 Stock, Luxusapartment mit Dachterrasse, Swimmingpool und
Fitnessstudio im Gebäude. Gut, den Sicherheitsdienst kriegt man mit genügend
Mädels ausreichend verwirrt um ihn zu umgehen :-) Schon ein Unterschied zu den
mir vorschwebenden/drohenden Behausungen, die ich mir mit einem potentiellen Job
hier leisten könnte...
Am 06.02. kamen Maria und ich irgendwann am späten Nachmittag auf die Idee,
wir könnten ja mal zur Bomba de tiempo gehen, einem regelmäßig stattfindenden
Trommelkonzert im benachbarten Viertel. Sollte eigentlich ein ganz ruhiger und
entspannter Abend werden. War dann aber ziemlich gut, open-air bei schönstem
Wetter, 15 Trommler die alles gegeben haben, beste Stimmung und über allem eine
dicke Wolke Marihuana. Ach ja, hier haben wir auch gelernt, dass man auf die
Frage "Willst Du den Gin Tonic groß oder klein?" nicht sagt,
"Ach, mach mal nen großen, das passt schon." Halb taub und jeder einen
halben Liter Gin Tonic später waren wir dann so gegen 0 Uhr wieder im Hostel.
Soviel zu ruhig und entspannt.
Nach dem Motto, wer schon nix arbeitet, kann ja wenigstens Urlaub machen,
sind Regi und ich am 09.02. für ein paar Tage nach Uruguay gefahren. Donnerstag
Morgen schön mit der Fähre übergesetzt und nach 2,5 Std. waren wir schon in
einem anderen Land. Sogar mit Zeitverschiebung. Unser erster Stopp war Colonia,
ein wunderschönes, sehr gut erhaltenes/wieder aufgebautes koloniales Städtchen,
in dem wir den ersten Tag umhergewandert sind, bevor wir den Bus in die
Hauptstadt Montevideo genommen haben. Hier wollten wir bis Samstag Nachmittag
bleiben und dann nach Punta del Diablo weiterfahren. Leider kam alles etwas
anders. Meine erste Erinnerung an Montevideo vom letzten Mal ist immer
"Dunkelheit" und tatsächlich hat sich an der sehr spärlichen
Straßenbeleuchtung auch bis heute nicht wirklich was geändert. Daher kommt
einem alles immer etwas düsterer vor, als es bei Tage eigentlich ist. So uns
auch, als wir im Dunkeln durch Montvideo stolperten um ein Hostel zu finden.
Unsere Favoriten waren leider ausgebucht, so dass wir dann auch gar nicht mehr
wirklich wählerisch waren und froh waren irgendwann eine Bleibe gefunden zu
haben. Das Hostel stellte sich zwar später als relatives Drecksloch heraus mit
einer Belegschaft, die sich allesamt das Hirn weggekifft hatten, aber wir
wollten ja auch nur 2 Nächte bleiben. Eigentlich! Nur als Beispiel, wir wurden
als Kenianerinnen (gut, wir sehen Ostafrikanern auch echt ähnlich, da kann man
sich mal vertun) eingecheckt und sie haben es nicht geschafft, Regis Passnummer
an die richtige Stelle einzutragen sondern sie haben ihre Steuernummer oder was
ich was genommen. Jegliche Frage an dieses Personal war vergebens. Während des
Abendessens im nahe gelegenen Restaurant fanden wir dann auch heraus, warum die
Hostels alle ausgebucht waren: KARNEVAL!! Ja, hier fängt Karneval früher an und
dauert länger. Angeblich ist Uruguay das Land mit dem längsten Karneval der
Welt! Das hörte vor allem ich gerne und natürlich machten wir uns dann
gegen 1 Uhr nachts noch auf den Weg zu den LLamadas, das sind Straßenumzüge der
einzelnen Stadtteile. Da konnten wir dann noch ein paar Stunden von ganz nahe
Trommelgruppen, Tanzgruppen, leichtbekleidete Tänzerinnen, Fahnenschwenker, etc.
bewundern. Alles zum mitreißenden Rhythmus des Candombe, der dem
brasilianischen Samba sehr ähnelt. Ha, wer braucht Rio, wenn er Montevideo
hat.
Den nächsten Tag verbrachten wir mit dem obligatorischen Sightseeing,
besuchten sogar ein Museum für moderne Kunst,
liefen die Uferpromenade Ramblas
entlang und landeten schließlich im Mercado de Puerto einem netten Markt mit
jeder Menge Restaurants wo der "Medio y Medio" erfunden wurde. Das
Getränk, das extremen Suchtcharakter hat und in den nächsten Tagen unser
ständiger Begleiter wurde. Ist eine Mischung aus Weißwein und Sekt. Sehr zu
empfehlen. Bis dahin lief unser Kurzurlaub richtig super.
Das sollte sich dann
leider nachts ändern. Gegen 2 Uhr (auf dem Rückweg vom Abendessen) schlenderten
wir, wie jede Menge andere Menschen auch, die ausnahmsweise gut beleuchtete
Hauptstraße entlang. Scheinbar zu entspannt, denn keiner von uns hat schnell
genug reagiert, als ein Typ angerannt kam, Regi die Tasche vom Körper riss und
flüchtete. All das in Bruchteilen von Sekunden. Tja, was soll ich sagen. In der
Tasche war natürlich alles drin: Pass, Bankkarte, Kamera, etc. Damit fing dann
der unerfreuliche Teil des Urlaubs an. Ab zum Polizeirevier und dem des
Schreibens nicht wirklich zu gut mächtigen Beamten die ganze Story erzählen.
Natürlich war uns auch klar, dass das nix bringt, aber wir brauchten ja die
Papiere um die nächsten bürokratischen Hürden zu nehmen. Wir haben dann nachts
noch ihre Bankkarte gesperrt und die Kontaktdaten der holländischen Botschaft
gesucht, bevor wir ziemlich fertig ins Bett fielen. An all zu viel Schlaf war
natürlich nicht zu denken, auch wenn Regi sich extrem gut gehalten hat. Ich wäre
wahrscheinlich von einer Hysterie in die nächste verfallen. Den Samstag
verbrachten wir dann größtenteils in Internetcafes um 1000 Anrufe zu erledigen.
So stellte sich dann nach und nach heraus, dass ihre Bank echt ne Scheibe
hat und es ein super Aufwand werden wird, eine neue Karte nach Argentinien zu
bekommen, dass die holländische Botschaft in Uruguay vor einer Woche aus
Spargründen geschlossen hat und sie sich an eine andere Botschaft der EU wenden
soll und dass es besser ist, keinen Notfall in Uruguay zu haben, da weder die
holländische Botschaft in Buenos Aires, noch die deutsche, italienische oder
spanische Botschaft in Uruguay die Notrufnummer abnehmen. Es war ja schließlich
auch klar, dass man uns Freitag Nacht beklauen musste, da Samstag alles zu hat.
Damit waren unsere Reisepläne gestorben, da wir Montag Morgen direkt zur
Botschaft mussten. Also mussten wir uns weiter in Montevideo beschäftigen und wen
sehen wir auf der Hauptstraße wieder? Unseren Dieb mit seinen 3 anderen
Junkie-Kumpels, wahrscheinlich wieder auf der Pirsch. Wir waren uns beide
sicher, dass sie es waren und auch ihr Verhalten war ziemlich eindeutig, dass
sie uns wieder erkannt hatten. Aber was sollten wir tun. 2 harmlose
Europäerinnen gegen 4 uruguayische Diebe. Freundlich nach dem Verbleib unserer
Tasche fragen erschien uns nicht passend und leider war zu dem Zeitpunkt
natürlich auch kein Polizist weit und breit. Und so, wie die Typen uns im Auge
behalten haben, hätten wir uns auch nicht mehr vor die Türe getraut, wenn wir
sie verpfiffen hätten. Ziemlich frustrierend das Ganze!
Um nicht noch einen Tag in Montevideo verbringen zu müssen, fuhren wir Sonntag dann in das nahe gelegene Punta del Este. Stand eigentlich nicht auf unserem Plan, aber um mal etwas anderes zu sehen, war es ganz gut. Wir legten uns ein paar Stunden an den Strand, planschten im hier viel sauberer erscheinenden Rio de la Plata und fuhren am späten Nachmittag wieder zurück. Mehr kann man dort nicht machen. Es sei denn man hat Geld zum Verbrennen. Punta del Este ist der Strandort der Reichen und Schönen. Ein Louis Vuitton Shop neben dem Rolex Shop und so weiter. Preise sind in USD und ein schnöder Kaffee kostet 4,5 EUR. Also genau das richtige Pflaster zum Wohlfühlen für uns :-P Aber der Strand war nett und für nen Sonnenbrand hat es auch gereicht. Was will man mehr.
Um nicht noch einen Tag in Montevideo verbringen zu müssen, fuhren wir Sonntag dann in das nahe gelegene Punta del Este. Stand eigentlich nicht auf unserem Plan, aber um mal etwas anderes zu sehen, war es ganz gut. Wir legten uns ein paar Stunden an den Strand, planschten im hier viel sauberer erscheinenden Rio de la Plata und fuhren am späten Nachmittag wieder zurück. Mehr kann man dort nicht machen. Es sei denn man hat Geld zum Verbrennen. Punta del Este ist der Strandort der Reichen und Schönen. Ein Louis Vuitton Shop neben dem Rolex Shop und so weiter. Preise sind in USD und ein schnöder Kaffee kostet 4,5 EUR. Also genau das richtige Pflaster zum Wohlfühlen für uns :-P Aber der Strand war nett und für nen Sonnenbrand hat es auch gereicht. Was will man mehr.
Abends sind
wir dann zufällig noch mal in eine Karnevalsveranstaltung gestolpert. Dieses Mal
eine Art Karnevalssitzung mit jeder Menge Tanz- und Gesangsgruppen aber auch
Comedy. Sehr lustig, aber für mich teilweise auch anstrengend, da ich nicht
allem folgen konnte und durchaus mal wieder in den ein oder anderen
Sekundenschlaf verfallen bin.
Am Montag war dann der Tag der Wahrheit. Wir gingen zur deutschen Botschaft,
die sehr freundlich waren, uns aber nach einem Telefonat mit der holländischen
Botschaft in Buenos Aires nicht helfen konnten, da wir zur spanischen Botschaft
mussten. Die spanische Botschaft war alles andere als freundlich oder
hilfsbereit und sagte uns, dass es mindestens eine Woche dauern würde, bis sie
einen Notfallpass ausstellen könnten und bis dahin alles Gute. Hammer! Regi war
kurz vorm Amoklauf. Verständlicherweise. Wir einigten uns schließlich darauf,
dass ich abends nach Buenos Aires fahren würde, am nächsten Tag ihren
mexikanischen Pass einsammeln würde und dann wieder nach Uruguay kommen würde,
um sie auszulösen. Etwas aufwendig, hat aber funktioniert. Aber was macht jetzt
bitte jemand, der nicht zufällig zwei Pässe hat und alleine unterwegs ist –
ohne Pass, ohne Geld.
Gesagt, getan, ich nahm die letzte Fähre nach Buenos Aires und war dann
irgendwann gegen 1 im Bett. Um 6 am nächsten Morgen klingelte dann allerdings
schon wieder mein Wecker, da ich (bisher noch gar nicht erwähnt) ein
Vorstellungsgespräch um 9 hatte, für das ich mich ja noch gar nicht vorbereitet
hatte. Das Gespräch war für eine Call Center Agent Stelle. Also nicht wirklich
ein Traumjob, aber regelmäßiger Geldeingang wäre nicht zu verachten. Und siehe
da, müde, unvorbereitet und mit den Gedanken woanders klappt das alles viel
besser. Nach dem Gespräch bot man mir den Job an. Noch ist nix unterschrieben
und vorher glaube ich auch an gar nix. Muss jetzt erst mal alle Unterlagen
zusammen bekommen. Aber falls es klappt, werde ich Euch natürlich von meiner
neuen großartigen Karriere als Call Center Agent berichten. Danach ging es dann
zu Regis Wohnung, wo ich den mexikanischen Pass gesucht habe und dann später am
Nachmittag wieder mit der Fähre zurück nach Uruguay. In Colonia wartete sie
dann schon auf mich und wir konnten letztendlich (nachdem sie noch einmal
Strafe zahlen musste, da sie keinen Eingangsstempel nachweisen konnte) das Land
gemeinsam verlassen. Soviel also zu unserem kleinen Kurztrip nach Uruguay.
Trotz all der Hindernisse müssen wir beide sagen, dass wir von Uruguay sehr
angetan sind. Die Leute sind viel freundlicher als in Buenos Aires, das Essen
ist besser (ich würde fast auch noch sagen, die Männer sind hübscher), es gibt
Medio y Medio und hey – das Land mit dem längsten Karneval der Welt!
Seit gestern bin ich nun auf meinem Behördenmarathon. Ich habe gestern eine
Wohnsitzbestätigung bei der Polizei beantragt, die ich eben persönlich zuhause
überreicht bekommen habe, dann furchtbare Passfotos machen lassen und 2 Stunden
um den Block herum Schlange beim Justizministerium gestanden, um ein
Führungszeugnis in Argentinien zu beantragen. Jetzt haben die auch meine
Fingerabdrücke. Ich hoffe, ich bekomme heute Nachmittag meinen blöden Wisch mit
nur einer Stunde anstehen. Jetzt muss ich nur noch mein deutsches
Führungszeugnis übersetzen lassen und jede Seite meines Passes kopieren. Nicht,
dass ich nicht schon eine Übersetzung hätte, die wollen eine aus Argentinien…. Wenn
ich den ganzen Schmu hab, dann geht es mit der Firma zur Migración und dann mal
sehen, ob ich ne Arbeitserlaubnis bekomme. Dazu dann mehr im nächsten Blog.
So, nachdem ich Euch nun einen Roman geschrieben habe, könnt Ihr jetzt
wieder feiern gehen.
Alaaf
Britta
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