Sonntag, 4. März 2012


Buen día miteinander,
tja, schon wieder 2 Wochen rum und ich kann nur schreiben, dass ich noch keinen Schritt weiter bin als beim letzten Mal. Die Mühlen mahlen hier sehr langsam…. Mein argentinisches polizeiliches Führungszeugnis habe ich noch am selben Tag nach etwas über einer Stunde Anstehen bekommen. Aber seit dem warte ich darauf, dass mein potentieller Arbeitgeber mal einen Termin bei der Migración bekommt. Vielleicht sollte ich mich da noch mal als Sekretärin bewerben, denn scheinbar stellt sie das Vereinbaren von Terminen vor echte Probleme…. Meinen Vorstellungsgesprächstermin hatten sie ja auch doppelt vergeben. Ich muss mich also weiterhin in Geduld üben. Wir hatten in den letzten 2 Wochen ja auch immerhin 3 Feiertage. Damit steigt die Zahl der Feiertage, die von der Regierung neu ins Leben gerufen wurden, alleine in der Zeit in der ich hier bin (3 Monate) auf 5 an. Mal sehen, wie viele noch kommen.
Ansonsten ist ehrlich gesagt nicht so viel passiert. Aufgrund eines Missverständnisses musste ich kurzfristig am Freitag umziehen. Ich hatte gesagt, ich wollte das Zimmer bis März reservieren (und meinte EINSCHLIESSLICH), Sergio hatte aber bis Ende Februar verstanden. Zum Glück hatten wir das früh genug festgestellt, so dass ich mich noch entspannt bei Miriam, meiner Bekannten aus amHhHHh     hhhhh HHHHNFJJDYPIFJFJJOHHHHH     Hamburg, einnisten konnte. Sie vermietet ebenfalls Zimmer und ich fühle mich pudelwohl hier. Das Viertel (Recoleta) ist zwar für meine Verhältnisse etwas zu schick, aber da muss ich jetzt wohl durch. Ich kann mich ja zum Trinken immer noch in den schäbigeren Vierteln rumtreiben J Obwohl auch das haben wir die letzten Wochen recht reduziert. Regina hat sehr ernsthaft nach Jobs gesucht und auch ich hatte nochmal ein Vorstellungsgespräch was sich sehr vielversprechend angehört hat und wo ich auf die Einladung zur zweiten Runde warte. Meine persönliche Initiative „menos cerveza, más cultura“ (weniger Bier, mehr Kultur) hat mich in den letzten Wochen immerhin in die Kathedrale und das Museum der schönen Künste verschlagen. Aber so richtig umgehauen, hat mich beides nicht. Vielleicht bin ich einfach ein zu großer Banause, aber die ganzen Bilder im Museum fand ich einfach langweilig, auch wenn sie von Monet, Rubens, Goya oder was weiß ich wem waren. Mit Goya kann ich mich farblich ja vielleicht anfreunden, aber thematisch eher nicht. J Mir haben die meisten Bilder auf dem Kunsthandwerkmarkt vor dem Museum besser gefallen. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war unser  Besuch bei einem „echten“ Italiener hier. Regi hatte den Tipp von ihrem Freund von der italienischen Botschaft. Ein Restaurant in dem es richtiges italienisches Essen gibt und nicht den Pseudokram, den es sonst überall an jeder Ecke gibt. Es war sicher ein sehr lustiges Bild uns drei Europäerinnen (Regi = Holländerin, Theresa = Österreicherin und ich) von einer Verzückung in die nächste fallen zu sehen, nur weil wir normalen Mozzarella und eine gute Pizza serviert bekamen. Die meisten Zutaten waren aber tatsächlich importiert, was uns bei der Rechnung dann eher in Ohnmacht als Verzückung fallen ließ. Aber wir hatten ja schließlich Regis erstes und hoffentlich auch mein erfolgreiches Vorstellungsgespräch zu feiern. Da durften wir uns das mal leisten. Das mit dem Essen ist echt kein Witz, das italienische Päärchen aus meinem letzten Hostel sieht das angeblich italienische Essen hier als persönliche Beleidigung an und versteht beim besten Willen nicht, was Generationen von italienischen Einwanderern hier verbrochen haben. Immer wieder ein Quell der Erheiterung wenn man Leute fragt, wie sie das Essen hier finden.
Gestern war ich noch auf einem Konzert einer Latin Ska Band die ich bereits in Deutschland kannte und die, wie ich jetzt erfahren habe, aus Argentinien kommt. Sehr nett, super Stimmung und zum Schluss wurde die Bühne von Familie, Freunden und Bekannten der Band gestürmt und alle haben zusammen gesungen. Sehr lustig.
Das war es nun aber wirklich. Mehr ist echt nicht passiert. Die großen, für letztes WE geplanten Karnevalsumzüge sind wegen des Zugunglücks abgesagt worden und konnten so also auch nicht mein Karnevalsentzug geplagtes Herz trösten. Das Zugunglück war übrigens ca. 10 min Fußweg von meiner letzten Wohnung entfernt. Aber das Einzige was ich mitbekommen habe, waren sehr viele Krankenwagen und mehr Verkehrschaos als gewöhnlich. Es hat die Stadt allerdings ziemlich erschüttert, wie man daran sieht, dass alle Großveranstaltungen abgesagt wurden, und führte mal wieder (wie so ziemlich alles hier) zu Großdemos und Streiks, die letzte Woche für einen Tag die halbe Stadt lahm legten. Keine Züge, keine U-Bahn und die halbe Innenstadt abgesperrt mit einem Großaufgebot an Polizei. Das können sie wirklich gut. Es wird kaum eine Gelegenheit zum Demonstrieren ausgelassen. Auch daran gewöhnt man sich ziemlich schnell.
So, wogegen in den nächsten Wochen demonstriert wird, ob ich irgendwann mal in Brot und Arbeit bin und ob ich hoffentlich länger in meiner jetzigen Behausung bleiben kann, erfahrt Ihr dann im nächsten Blog.
Liebe Grüße
Britta

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