Buen día miteinander,
tja, schon wieder 2 Wochen rum und ich kann nur schreiben, dass ich noch
keinen Schritt weiter bin als beim letzten Mal. Die Mühlen mahlen hier sehr
langsam…. Mein argentinisches polizeiliches Führungszeugnis habe ich noch am
selben Tag nach etwas über einer Stunde Anstehen bekommen. Aber seit dem warte
ich darauf, dass mein potentieller Arbeitgeber mal einen Termin bei der
Migración bekommt. Vielleicht sollte ich mich da noch mal als Sekretärin
bewerben, denn scheinbar stellt sie das Vereinbaren von Terminen vor echte
Probleme…. Meinen Vorstellungsgesprächstermin hatten sie ja auch doppelt
vergeben. Ich muss mich also weiterhin in Geduld üben. Wir hatten in den
letzten 2 Wochen ja auch immerhin 3 Feiertage. Damit steigt die Zahl der
Feiertage, die von der Regierung neu ins Leben gerufen wurden, alleine in der
Zeit in der ich hier bin (3 Monate) auf 5 an. Mal sehen, wie viele noch kommen.
Ansonsten ist ehrlich gesagt nicht so viel passiert. Aufgrund eines
Missverständnisses musste ich kurzfristig am Freitag umziehen. Ich hatte
gesagt, ich wollte das Zimmer bis März reservieren (und meinte
EINSCHLIESSLICH), Sergio hatte aber bis Ende Februar verstanden. Zum Glück
hatten wir das früh genug festgestellt, so dass ich mich noch entspannt bei
Miriam, meiner Bekannten aus Hamburg, einnisten konnte. Sie vermietet
ebenfalls Zimmer und ich fühle mich pudelwohl hier. Das Viertel (Recoleta) ist
zwar für meine Verhältnisse etwas zu schick, aber da muss ich jetzt wohl durch.
Ich kann mich ja zum Trinken immer noch in den schäbigeren Vierteln rumtreiben J
Obwohl auch das haben wir die letzten Wochen recht reduziert. Regina hat sehr
ernsthaft nach Jobs gesucht und auch ich hatte nochmal ein Vorstellungsgespräch
was sich sehr vielversprechend angehört hat und wo ich auf die Einladung zur
zweiten Runde warte. Meine persönliche Initiative „menos cerveza, más cultura“
(weniger Bier, mehr Kultur) hat mich in den letzten Wochen immerhin in die
Kathedrale und das Museum der schönen Künste verschlagen. Aber so richtig
umgehauen, hat mich beides nicht. Vielleicht bin ich einfach ein zu großer
Banause, aber die ganzen Bilder im Museum fand ich einfach langweilig, auch
wenn sie von Monet, Rubens, Goya oder was weiß ich wem waren. Mit Goya kann ich
mich farblich ja vielleicht anfreunden, aber thematisch eher nicht. J
Mir haben die meisten Bilder auf dem Kunsthandwerkmarkt vor dem Museum besser
gefallen. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war unser Besuch bei einem „echten“ Italiener hier.
Regi hatte den Tipp von ihrem Freund von der italienischen Botschaft. Ein
Restaurant in dem es richtiges italienisches Essen gibt und nicht den
Pseudokram, den es sonst überall an jeder Ecke gibt. Es war sicher ein sehr
lustiges Bild uns drei Europäerinnen (Regi = Holländerin, Theresa =
Österreicherin und ich) von einer Verzückung in die nächste fallen zu sehen,
nur weil wir normalen Mozzarella und eine gute Pizza serviert bekamen. Die
meisten Zutaten waren aber tatsächlich importiert, was uns bei der Rechnung
dann eher in Ohnmacht als Verzückung fallen ließ. Aber wir hatten ja
schließlich Regis erstes und hoffentlich auch mein erfolgreiches
Vorstellungsgespräch zu feiern. Da durften wir uns das mal leisten. Das mit dem
Essen ist echt kein Witz, das italienische Päärchen aus meinem letzten Hostel
sieht das angeblich italienische Essen hier als persönliche Beleidigung an und
versteht beim besten Willen nicht, was Generationen von italienischen
Einwanderern hier verbrochen haben. Immer wieder ein Quell der Erheiterung wenn
man Leute fragt, wie sie das Essen hier finden.
Gestern war ich noch auf einem Konzert einer Latin Ska Band die ich bereits
in Deutschland kannte und die, wie ich jetzt erfahren habe, aus Argentinien
kommt. Sehr nett, super Stimmung und zum Schluss wurde die Bühne von Familie,
Freunden und Bekannten der Band gestürmt und alle haben zusammen gesungen. Sehr
lustig.
Das war es nun aber wirklich. Mehr ist echt nicht passiert. Die großen, für
letztes WE geplanten Karnevalsumzüge sind wegen des Zugunglücks abgesagt worden
und konnten so also auch nicht mein Karnevalsentzug geplagtes Herz trösten. Das
Zugunglück war übrigens ca. 10 min Fußweg von meiner letzten Wohnung entfernt.
Aber das Einzige was ich mitbekommen habe, waren sehr viele Krankenwagen und mehr
Verkehrschaos als gewöhnlich. Es hat die Stadt allerdings ziemlich erschüttert,
wie man daran sieht, dass alle Großveranstaltungen abgesagt wurden, und führte
mal wieder (wie so ziemlich alles hier) zu Großdemos und Streiks, die letzte
Woche für einen Tag die halbe Stadt lahm legten. Keine Züge, keine U-Bahn und
die halbe Innenstadt abgesperrt mit einem Großaufgebot an Polizei. Das können
sie wirklich gut. Es wird kaum eine Gelegenheit zum Demonstrieren ausgelassen.
Auch daran gewöhnt man sich ziemlich schnell.
So, wogegen in den nächsten Wochen demonstriert wird, ob ich irgendwann mal
in Brot und Arbeit bin und ob ich hoffentlich länger in meiner jetzigen
Behausung bleiben kann, erfahrt Ihr dann im nächsten Blog.
Liebe Grüße
Britta
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen