Hallo zusammen,
viele Grüße aus der Warteschleife. Ich konnte es also nicht
mehr vermeiden oder durch geschicktes Weiterbewerben abwenden: Ich bin nun Call
Center Agent. Die holländische Firma hat es irgendwann doch mal auf die Reihe
bekommen, meine Einstellung zu beschleunigen. Und nun arbeite ich bereits seit
1 Woche dort. Der 1. Tag war Einführung, der 2. Tag Projekttraining und ab dem
3. Tag wurde ich direkt auf die Kunden losgelassen. Ich betreue zur Zeit die
deutschen und englischen Kunden einer Wasserhahn-Hotline, die innerhalb der
Garantiezeit Ersatzteile bei uns ordern können. Sehr glamourös. :-) Man lernt hier echt
für’s Leben. Mein Training bestand unter anderem darin, diverse Wasserhähne
auseinander und wieder zusammen zu bauen. Solltet Ihr also demnächst mal
Probleme mit Euren Sanitäranlagen haben: Ruft mich an!! ;-) Spaß beiseite, ist
schon abgefahren, mal auf der anderen Seite der Leitung zu sitzen und manchmal
auch sehr erheiternd, was man alles so zu hören bekommt. Aber insgesamt ist es
sehr entspannt – zu entspannt! Ich hatte gerade mal 3 Anrufe diese Woche. Den
Rest der Zeit sitze ich rum und versuche möglichst unauffällig, sinnvolle Dinge
zu machen, wie Blog schreiben, Nachrichten oder Bücher lesen und Spanisch
lernen. Aber das wird sich wohl nächste Woche (hoffentlich?) ändern, da dann
neue Projekte auf mich warten. Was ein wenig nervt, sind die Arbeitszeiten: 6 –
15 Uhr. Da muss ich mich nach meinem Lotterleben erst mal wieder dran gewöhnen.
Aber auch wenn ich schon fröhlich arbeite habe ich immer noch weder Vertrag
noch Arbeitserlaubnis. Mein Termin bei Migraciones hat sich 2 x verschoben. Ob
wegen Migraciones oder der Unfähigkeit meiner Personalabteilung kann ich nicht
sagen (nur vermuten…). Ich hoffe auf jeden Fall, ab Montag legal zu sein. Den
medizinischen Test habe ich scheinbar auch bestanden: 2 Std Komplettcheck mit
Blut, Urin, Röntgen, EKG, Hör- und Sehtest, Gewicht, etc. Aber das ist hier
wohl für jeden Job normal. Dafür gibt es eigene Medizinzentren, die nichts
anderes machen. Trotzdem macht man sich bei den alten Röntgengeräten doch so
seine Gedanken, oder wenn einem die Adern mit einem alten Stück Gummischlauch
abgebunden werden, statt mit den schicken Bändern, die man so vom Blutspenden
kennt.
Von meinem Wunschjob habe ich leider noch nichts weiter
gehört, außer zuerst eine Abwesenheitsmitteilung meiner Bearbeiterin und
gestern weitere Vertröstungen, dass man noch im Auswahlprozess sei und mir
nächste Woche Bescheid geben würde, so wie letzte Woche und vorletzte Woche
auch (nicht…). Die haben noch nicht mal
mein Profil weitergegeben, da sie erst mal sammeln wollen…! Es gibt also noch
Hoffnung, aber meine Geduld wird da mal wieder auf eine ziemlich harte
Belastungsprobe gestellt. .. Ich bleib weiter dran.
Gute Nachrichten gab es auch für Regi. Sie arbeitet
ebenfalls seit Montag für eine NGO (also genau das, was sie wollte). Sieht also
wohl so aus, als ob wir beide erst mal bleiben.
Wohnungstechnisch bin ich auch zunächst bis Ende April abgesichert.
Dann sehen wir weiter, wie sich die Jobsituation entwickelt hat. Dort habe ich
nur das Problem, dass ich meine Miete eigentlich in USD zahlen muss. Wie ich
mittlerweile schmerzlich erfahren musste, ist es aber so ziemlich unmöglich an USD
zu kommen. Die Geldautomaten, die dafür ausgelegt sind, auch Dollar auszugeben,
tun dies einfach nicht und die Bank schiebt das dann auf meine Bank in
Deutschland. Denen ist das aber so ziemlich schnurz in welcher Währung ich mein
Geld verpulvere, solange noch genug auf meinem Konto ist. Das haben sie mir
auch bestätigt. In Banken kann ich zwar
USD in Pesos wechseln, aber nicht anderes herum. In Wechselstuben kann ich
Pesos nicht in USD wechseln ohne einen Beleg, dass ich irgendwann schon einmal
USD in Pesos gewechselt habe. Ein Teufelskreis. Hilfreiche Kommentare der
freundlichen Bankangestellten waren: „Ich soll mit der Präsidentin darüber
reden“ (Mach ich gerne, wenn ich sie das nächste Mal auf nen Kaffee treffe…)
oder „In Argentinien wird mit Pesos bezahlt, alles andere ist illegal.“ Mag ja
stimmen, hilft mir nur nicht weiter…
Damit war ich also fast einen kompletten Tag beschäftigt von Bank zu
Wechselstube, etc. zu laufen. Entweder fällt Miriam, meiner Vermieterin, noch
etwas ein, sonst hört sich das verdammt nach Schwarzmarkt an. Wie damals in
Venezuela… Schöne Überleitung. Gerade die ständig neuen Einschränkungen im
Finanzwesen, Import, Export, etc. weisen sehr darauf hin, dass sich Argentinien
immer mehr in Richtung Venezuela entwickelt. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
Was gibt es sonst noch zu berichten? Hm, eigentlich nicht so
viel. Seit ich wieder zur arbeitenden Bevölkerung gehöre, kann ich abends
natürlich nicht mehr so viel unterwegs sein. Besonders nicht bei den
Arbeitszeiten. Da weiß man doch
plötzlich wieder das WE viel mehr zu schätzen :-)
Also dann bis zum nächsten Mal.
Britta
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