Hallo
zusammen,
auch mal
wieder ein paar Zeilen von mir. Große Dinge haben sich leider nicht ergeben,
aber vielleicht kann ich Euch ja mit ein paar Neuigkeiten aus der Anstalt
erheitern :-) Wie gesagt, über zu wenig Arbeit kann ich mich echt nicht
beschweren. Überstunden sind nun eher die Regel und ich komme so auf 200 – 300 Anrufe
die Woche. Heute alleine hatte ich schon über 60. Dieser Job ist echt eine
Studie über die Menschheit: Während ich im Golfer Projekt hauptsächlich damit
konfrontiert werde, dass die Amerikaner sich weigern mit mir zu reden, da ich
keinen US-Akzent habe oder sie zu senil oder doof sind, ihren Rechner
einzuschalten, sind die Anrufe im Videospieleprojekt doch teilweise durchaus
abwechslungsreich. Da hatte ich jetzt schon den wegen einer Verletzung
frühpensionierten ehemaligen Fremdenlegionär, der nicht mehr vor die Tür geht,
weil alle Leute verrückt sind. Er verbringt seine Zeit lieber mit Ballerspielen
und damit mir seine ganze Lebensgeschichte am Telefon zu erzählen. Dann die
frustrierten Zocker, die irgendwo gebannt wurden und ihre Wut an einem
auslassen wollen („Fickt Euch“ gehört da durchaus zum gängigen Sprachgebrauch)
oder die vorpupertären Jungs denen einer abgeht, wenn sie einem am Telefon ein
erfundenes Problem erklären und einem dann eine schweinische E-Mail-Adresse
nennen können. Bis hin zu den Scherzkeksen, die mit ihren Kumpels im Keller zusammen
sitzen und wetten, ob ich „Alle meine Entchen“ mit ihnen singe oder nicht. Eine
Kollegin hatte sogar mal einen Stalker im Callcenter. Da kann man es tatsächlich manchmal mit der Angst zu tun
bekommen, bei so vielen Schwachmaten. Und es ist ein Fakt, dass es verstärkt um
Vollmond herum auftritt! Nun ja, es ist ja nicht mehr lange und ich werde bald
mit größter Genugtuung meine Kündigung einreichen. Auch wenn eine deutsche
Kollegin heute schon Andeutungen gemacht hat, dass ihre Stelle ja bald frei
wird. Sie ist die deutsche Projektspezialistin für das Spieleprojekt... Niemals!
Die
restliche Jobfront sieht ziemlich mau aus. Hab mich noch auf ein paar Jobs
beworben und auch meine vorhandenen Kontakte mehr eingebunden, bisher jedoch
relativ unerfolgreich.
Meine
restliche Zeit habe ich dazu genutzt ein
wenig Kultur in mein stumpfes Callcenterleben zu bringen und habe den Manzana
de las luces besucht (die erste Uni von Buenos Aires) und war nun auch endlich
mal in den heiligen Hallen des Casa Rosada. Ist wirklich sehr interessant.
Ziemlich bonziges Gebäude, aber auch viele moderne Sachen drin. Wir durften alle
mal von Evitas Balkon winken, aber durch die Geschäftsräume von Christina
wurden wir ziemlich durchgescheucht. Die Führerin der Gruppe machte die
Veranstaltung zweisprachig. Aber ihr Englisch war so schlecht, dass ich
tatsächlich mehr beim Spanischen verstanden habe. Vielleicht sollte ich mich da
mal bewerben als Tourguide…. :-D
Auch wenn
mein gesprochenes Spanisch immer schlechter wird, das Hörverständnis ist besser
geworden. Ich war noch einmal beim gleichen Friseur wie vor 3 Monaten und 1) er
hat mich wieder erkannt (ich ihn nicht auf Anhieb) und 2) ich habe ihn dieses Mal
tatsächlich verstanden. Beim letzten Mal hab ich ihn die ganze Zeit nur verwirrt
angestarrt und dauernd nachgefragt. Also wenigstens ein Fortschritt!
Apropos
verstehen. Meinen Namen verstehen die Leute hier einfach nie. Wenn ich den
irgendwo angeben muss und anfange zu buchstabieren, dann kommt als erstes immer
„ah Violeta“… Wenn ich hier bleiben sollte, muss ich ernsthaft über eine Namensänderung
nachdenken ;-) Seh ich etwa aus wie ne Violeta??? Tsss.
Mehr ist
nicht passiert. War viel im Kino, hab ein paar neue Kneipen und Dissen sowie
Leute kennen gelernt. Leider wieder keine Argentinier… Dafür sehr nette
Engländer und Australier.
Das war`s
dann auch schon wieder.
Hasta la
próxima
Britta
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