Montag, 21. Mai 2012



Hallo zusammen,
auch mal wieder ein paar Zeilen von mir. Große Dinge haben sich leider nicht ergeben, aber vielleicht kann ich Euch ja mit ein paar Neuigkeiten aus der Anstalt erheitern :-) Wie gesagt, über zu wenig Arbeit kann ich mich echt nicht beschweren. Überstunden sind nun eher die Regel und ich komme so auf 200 – 300 Anrufe die Woche. Heute alleine hatte ich schon über 60. Dieser Job ist echt eine Studie über die Menschheit: Während ich im Golfer Projekt hauptsächlich damit konfrontiert werde, dass die Amerikaner sich weigern mit mir zu reden, da ich keinen US-Akzent habe oder sie zu senil oder doof sind, ihren Rechner einzuschalten, sind die Anrufe im Videospieleprojekt doch teilweise durchaus abwechslungsreich. Da hatte ich jetzt schon den wegen einer Verletzung frühpensionierten ehemaligen Fremdenlegionär, der nicht mehr vor die Tür geht, weil alle Leute verrückt sind. Er verbringt seine Zeit lieber mit Ballerspielen und damit mir seine ganze Lebensgeschichte am Telefon zu erzählen. Dann die frustrierten Zocker, die irgendwo gebannt wurden und ihre Wut an einem auslassen wollen („Fickt Euch“ gehört da durchaus zum gängigen Sprachgebrauch) oder die vorpupertären Jungs denen einer abgeht, wenn sie einem am Telefon ein erfundenes Problem erklären und einem dann eine schweinische E-Mail-Adresse nennen können. Bis hin zu den Scherzkeksen, die mit ihren Kumpels im Keller zusammen sitzen und wetten, ob ich „Alle meine Entchen“ mit ihnen singe oder nicht. Eine Kollegin hatte sogar mal einen Stalker im Callcenter. Da kann man es  tatsächlich manchmal mit der Angst zu tun bekommen, bei so vielen Schwachmaten. Und es ist ein Fakt, dass es verstärkt um Vollmond herum auftritt! Nun ja, es ist ja nicht mehr lange und ich werde bald mit größter Genugtuung meine Kündigung einreichen. Auch wenn eine deutsche Kollegin heute schon Andeutungen gemacht hat, dass ihre Stelle ja bald frei wird. Sie ist die deutsche Projektspezialistin für das Spieleprojekt... Niemals!
Die restliche Jobfront sieht ziemlich mau aus. Hab mich noch auf ein paar Jobs beworben und auch meine vorhandenen Kontakte mehr eingebunden, bisher jedoch relativ unerfolgreich.
Meine restliche Zeit habe ich dazu genutzt  ein wenig Kultur in mein stumpfes Callcenterleben zu bringen und habe den Manzana de las luces besucht (die erste Uni von Buenos Aires) und war nun auch endlich mal in den heiligen Hallen des Casa Rosada. Ist wirklich sehr interessant. Ziemlich bonziges Gebäude, aber auch viele moderne Sachen drin. Wir durften alle mal von Evitas Balkon winken, aber durch die Geschäftsräume von Christina wurden wir ziemlich durchgescheucht. Die Führerin der Gruppe machte die Veranstaltung zweisprachig. Aber ihr Englisch war so schlecht, dass ich tatsächlich mehr beim Spanischen verstanden habe. Vielleicht sollte ich mich da mal bewerben als Tourguide…. :-D
Auch wenn mein gesprochenes Spanisch immer schlechter wird, das Hörverständnis ist besser geworden. Ich war noch einmal beim gleichen Friseur wie vor 3 Monaten und 1) er hat mich wieder erkannt (ich ihn nicht auf Anhieb) und 2) ich habe ihn dieses Mal tatsächlich verstanden. Beim letzten Mal hab ich ihn die ganze Zeit nur verwirrt angestarrt und dauernd nachgefragt. Also wenigstens ein Fortschritt!
Apropos verstehen. Meinen Namen verstehen die Leute hier einfach nie. Wenn ich den irgendwo angeben muss und anfange zu buchstabieren, dann kommt als erstes immer „ah Violeta“… Wenn ich hier bleiben sollte, muss ich ernsthaft über eine Namensänderung nachdenken ;-) Seh ich etwa aus wie ne Violeta??? Tsss.
Mehr ist nicht passiert. War viel im Kino, hab ein paar neue Kneipen und Dissen sowie Leute kennen gelernt. Leider wieder keine Argentinier… Dafür sehr nette Engländer und Australier.
Das war`s dann auch schon wieder.
Hasta la próxima
Britta

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