Hallo vom anderen Ende der Welt.
Was gibt es Neues? Fangen wir mit dem Wichtigsten an. Ich bin endlich wieder
frei? Nach 590 vergeudeten Std. meines Lebens ist die Callcenter Zeit endlich
vorbei. Nie wieder Call of Duty, nie wieder Golfer GPS und auch nicht mehr um 4
Uhr aufstehen. Wenn ich eins gelernt habe, dann dass mich keine 10 Pferde mehr
ins Callcenter kriegen. Schade ist es höchstens um ein paar Leute, die ich jetzt
nicht mehr sehen werde, aber vielleicht bleibt man ja in Kontakt. Meine
Kontaktdaten habe ich den Leuten aufgedrängt, daran soll´s nicht liegen. Aber
bis ich endlich soweit war, war es ja noch ein langer Weg. Hier ist nicht mal
kündigen einfach. Ich habe meine Kündigung persönlich in der Personalabteilung
abgegeben. Aber, ein von mir unterschriebener Brief, mit der Willensbekundung mein
dienstliches Verhältnis zu kündigen, von mir selbst überbracht ist nicht
offiziell genug! Ich musste noch zur Post mit meinem Pass und meiner
Steuernummer und ein „Telegrama de Renuncia“ an die Firma schicken. Ein
Vordruck, in dem ich nur meine Daten und den Kündigungstermin eingeben muss. ...
Die anschließenden Wochen wurden dann unendlich lang und die Zeit wollte
einfach nicht vorbei gehen. Ich hatte in den Wochen auch meinen längsten Call
ever: 1:40 Std. Die Aufnahmekapazität des Computers wurde gesprengt und mein
Lieblings-Produkt Spezialist kam zu mir und wollte wissen, ob er mir helfen
soll. Aber es war einfach nur einer dieser alten, furchtbar langsamen Amis
denen man jeden Schritt 3 x erklären muss. Nein, ich werde es nicht vermissen….
Am Mittwoch hatte ich tatsächlich noch mal ein Vorstellungsgespräch. 1,5
Std., ich musste keinen Baum oder Leute im Regen malen und es hat sich auch
noch ganz interessant angehört. Mal abwarten, was daraus wird.
Den Rest der Zeit habe ich mit Reisevorbereitungen verbracht. Ab morgen
werde ich erst mal wieder mein Zigeuner-Gen ausleben und etwas rumreisen.
Darauf freue ich mich schon sehr.
Letzte Woche habe ich mich auch noch mit einem Paar aus Köln getroffen, mit
denen ich mich schon vor meiner Abreise getroffen hatte. Sie sind jetzt nach 7 Monaten
Südamerika wieder zurück nach Deutschland. War sehr lustig und hat super Spaß
gemacht, mal wieder ein paar Reise-Anekdoten auszutauschen.
Ansonsten gibt es wenig zu berichten. Aufgrund der allgemeinen
Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung, gibt es immer wieder
Zusammenkünfte der „Caceroleros“. Das sind Einwohner, die mit Töpfen (Cacerola)
und Pfannen auf die Straße gehen, um mit lautem Klappern ihrem Unmut Ausdruck zu
verleihen. Das ist quasi historisch begründet. In 2001 hat diese Bewegung
solche Ausmaße angenommen, dass dann dadurch die Regierung zurück getreten ist.
Wird dieses Mal aber wohl eher nicht der Fall sein. Glaube nicht, dass
Christina sich von ein paar Töpfen einschüchtern lässt. Ich finde das an sich
ja auch sehr spannend, wenn nicht ein Haupttreffpunkt für die Cacerolazo (so heißt das Event) meine
Straßenecke wäre. Und natürlich fangen die erst dann an, wenn ich normalerweise
ins Bett musste, wegen 5 Uhr Arbeitsanfang. Töpfegeklapper ist kein Schlaflied
kann ich Euch sagen…
Wettertechnisch ist nun der Winter
tatsächlich angekommen. Das Fernsehen droht die ganze Zeit mit einer „Ola polar“,
also einer Kältewelle polaren Ausmaßes. Und ja, am Mittwoch habe ich
tatsächlich vereinzelt Schneeflocken gesehen. Ich schwör! Es ist wirklich ganz
schön kalt geworden, ohne Witz. So knapp über 0 bis unter 10 Grad. Da kann ich
dann schon mal alles aus meinem Koffer übereinander anziehen. Da ich in der
Zwischenzeit mal wieder das Zimmer gewechselt habe, bin ich jetzt erneut in
einem ohne Heizung. Die Heizkörper stehen zwar schon vor meiner Zimmertür, aber
es findet sich kein Installateur, der sie einbauen würde. Alle ausgebucht. Na
ja, ich fahre ja jetzt erst mal in den Norden, da ist vielleicht wärmer.
Bis zum nächsten Mal
Britta
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